Zankapfel des neuen Stücks von Oliver Kluck ist ein besetztes Haus. Der Hausbesitzer fordert die Zwangsräumung, um seine Immobilie – im selbstverständlich mittlerweile aufgewerteten Szenekiez – gewinnbringend weiter zuverkaufen. Gegen das massive polizeiliche Räumungskommando formiert sich jedoch Widerstand. Die Hausbesetzer diskutieren Maßnahmen, das eigene Viertel wieder abzuwerten. Besonders effektiv sind folgende Abwertungstools: Umfunktionierte Feuerlöscher ermöglichen großflächig gesprayte Graffitis. Die Auswilderung von Tieren und das massive Anhäufen von Satellitenschüsseln sind ebenfalls effektvolle Maßnahmen, um die voranschreitende Verteuerung von Wohnraum zu verlangsamen. Ein Abend über Hausbesetzer, Dispositionsprobleme, Immobilienmakler, eine Tochter, den Faschismus, provinzielle Städter und die neue Ehrlichkeit. Ein Stück, geschrieben für diese Stadt.
Hintergrundinformationen, Probeneinblicke und Interviews mit Maklern, Töchtern, Hausbesetzern unter
www.lebenunderben.de
»Selbstverständlich habe ich keinen Text für oder gegen die sogenannte Gentrifizierung geschrieben, und auch habe ich nur am Rande einige Worte zum Faschismus verfasst, den ich längst als Teil unserer kulturellen Identität anerkannt habe. Vielmehr habe ich den Versuch unternommen, die viel zitierte neue Ehrlichkeit / Transparenz, das aufrichtige Verhalten im aufrichtigen Gespräch auf seine tatsächlich vorhandene Aufrichtigkeit hin zu überprüfen. Insbesondere habe ich mir erlaubt, den Begriff ›Inszenierung‹ einer kritischen Betrachtung auszusetzen.« OLIVER KLUCK
Nach »Warteraum Zukunft« ist »Leben und Erben« bereits das zweite Stück des preisgekrönten jungen Dramatikers Oliver Kluck am Deutschen Schauspielhaus. Er seziert darin unterschiedliche Modelle der Selbstverwirklichung und fordert auf bitterkomische Weise eine neue Ehrlichkeit ein. Eine Ehrlichkeit, die die ausgetrampelten ideologischen Pfade hinter sich lässt, um Platz für neue Denkimpulse zu schaffen.
Premiere am 7. Januar im Malersaal