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Pünktchen und Anton
Eine wahre Geschichte
über echte Freundschaft für Arm und Reich
von Erich Kästner
Für alle ab 6 Jahren
Hamburger Morgenpost, 10. November 2009
Die Welt, 9. November 2009
Hamburger Abendblatt, 9. November 2009
Hamburger Morgenpost, 10. November 2009
KLASSIKER FÜR KLEINE THEATERFREUNDE
Von Heiko Kammerhoff
Wie holt man »Pünktchen und Anton«, Kästners Kinderbuchklassiker aus den 30er Jahren, in die Gegenwart? Am besten versucht man es erst gar nicht! Und so wird im diesjährigen Weihnachtsstück im Schauspielhaus in Mark und Pfennig bezahlt, Sachen sind »kolossal spannend« oder »klar wie Kloßbrühe«, und »Spinatwachtel« ist ein gängiges Schimpfwort. Man sieht also eine Art Historiendrama.
»Pünktchen und Anton« erzählt die Geschichte zweier ungleicher Großstadtkinder. Pünktchen ist die Tochter eines vermögenden Generaldirektors und seiner überkandidelten Frau. Anton ein bettelarmer Junge, dessen Mutter schwer krank in der heruntergekommenen Wohnung vor sich hin hustet. Pünktchen verkauft abends auf einer Brücke aus Spaß Streichhölzer, Anton aus bitterer Not Schnürsenkel. »Es gibt arme und reiche Menschen - warum?», fragt er. Eine Antwort kriegt er nicht, es ist eben so. Immerhin entdeckt der Großkapitalisten-Papa beim Happy End seine soziale Ader ...
So antiquiert vieles anmutet, Katharina Wieneckes Inszenierung ist ein höchst unterhaltsames Bühnenspektakel für Theaterfreunde ab sechs. In einem tollen Multifunktionsbühnenbild mit hübsch gezeichneter Berlin-Kulisse werden Pläne und Ränke geschmiedet, es gibt viel Klamauk und lustige Lieder. Wen würde es da wundern, wenn es bald auf Hamburgs Schulhöfen heißt: »Kolossal unterhaltsam das Stück, Digger!«
»Pünktchen und Anton« auf schauspielhaus.de
Beschreibung, Besetzung, Termine, Karten
Die Welt, 9. November 2009
WUNDERBARES WEIHNACHTSSTÜCK
Das Schauspielhaus zeigt »Pünktchen und Anton« von Erich Kästner in hinreißender Inszenierung von Katharina Wienecke
Von Monika Nellissen
»Streichhölzer, kaufen Sie Streichhölzer, meine Herrschaften«, jammert ein kleines Mädchen derart mitleiderregend, dass man ihm unverzüglich den gesamten Streichhölzerbestand abkaufen möchte. Es ist nicht nur arm, seine junge Mutter ist auch noch völlig erblindet. So beginnt die wahre Geschichte von „Pünktchen und Anton« im Schauspielhaus. Hinreißend, temperament- und gleichzeitig gemütvoll, auf skurrile körperliche Kontraste setzend und mit viel Witz inszeniert von Katharina Wienecke.
Wunderbar wahrhaftig ist das.
Moment: Wie kann eine Geschichte wahr sein, wenn sie gar nicht passiert ist? Erich Kästner, der Autor, hat eine ganz einfache Erklärung. Er schreibt in dem Vorwort zu seinem Roman: „Wahr ist eine Geschichte dann, wenn sie genauso, wie sie berichtet wird, wirklich hätte passieren können.« Und damit ist diese Geschichte vom reichen Pünktchen (Marina Lubrich) und seinem armen Freund Anton (Anton Pleva) wahr. Obwohl Pünktchen eigentlich keine Streichhölzer verkaufen müsste. Doch sein Kindermädchen Fräulein Andacht (Marlen Diekhoff spielt herrlich altjüngferlich verzickt) ist total verknallt in den ganovenhaften Strizzi Robert der Teufel, der es einzig auf ihr Geld abgesehen hat. Pünktchen muss für sie betteln. Achim Buch ist ein gefährlich schmieriger, Tango tanzender Heiratsschwindler.
Doch warum erzählen wir das hier? Schließlich kennt „Pünktchen und Anton« jedes Kind, und alle im voll besetzten Schauspielhaus wissen, wie die Geschichte über eine große Freundschaft, über Arm und Reich, über echte und vorgetäuschte Liebe und zwei Halunken ausgeht – glücklich.
Sehr geschickt haben Melanie Wienecke und Florian Vogel den Roman dramatisiert, indem sie sich auf den reinen Fortlauf der Handlung beschränken, ohne die von Kästner eingestreuten „Nachdenkereien« zu beachten. Los geht es mit Pünktchen, das vor dem noch geschlossenen roten Vorhang die ganz große Bettelshow abzieht und auf den Knien rutscht.
Marina Lubrich ist ein Glücksfall. Von Gestalt klein, spielt sie eine unverzogene, natürlich empfindende, liebenswert altkluge Göre. Mit Ringelstrümpfen und Baskenmütze erkundet sie vorbehaltlos die Welt und trifft dabei auf Anton (Anton Pleva spielt ihn mit großer Natürlichkeit), der betteln muss, weil seine Mutter krank ist. Zwei Welten stoßen hier aufeinander, die Georg & Paul auf verschiebbare Bastelbögen als Bühnenbilder bannen. Die dicke Berta (Juliane Koren ist deftig), als treue Seele im Hause von Pünktchens Eltern schlägt sie Robert mit der Schinkenkeule k.o., klappt einfach eine Wand des Wohnzimmers zusammen, und schon stehen wir auf der Straße, auf der der fiese Gottfried Klepperbein (Stefan Haschke spielt ihn rollengerecht) gerade ein Rad klaut. Alles geht schnell. Bei längeren Umbauten tritt eine prima Band auf, deren Songs die Kinder zum Nachdenken anregen, ohne zu moralisieren.
Wenn dann alle in der eleganten Limousine von Pünktchens Vater (zum guten Schluss erweist sich Hans Jörg Krumpholz als Herr im Hause) und dessen Frau – Sandra Maria Schöner mutiert vom Kleiderständer zur Mutter – mit Antons Mama, die Marina Rieckhoff schön leidend spielt, an die See fahren, ist die Welt in Ordnung. Wunderschön ist diese in jeder Rolle liebevoll besetzte Inszenierung, die Begeisterung war entsprechend.
»Pünktchen und Anton« auf schauspielhaus.de
Beschreibung, Besetzung, Termine, Karten
Hamburger Abendblatt, 9. November 2009
PREMIERENJUBEL: THEATERZAUBER FÜR JUNGE ZUSCHAUER
Bühnenspaß im Großen Haus vor Weihnachten: So faszinierend und quicklebendig kann ein Stück für Theater-Einsteiger sein.
Von Klaus Witzeling
Hamburg. Der schöne Vorhang. Hinter dem roten Samt liegt eine geheimnisvolle Welt. Neugier und Spannung beim Warten auf den Moment, wo er sich lautlos öffnet. So beginnt »richtiges« Theater. Erwachsene Besucher bekommen den Vorhang nur mehr selten in den Vorstellungen zu sehen.
Schön, dass das Theater wenigstens bei den »Weihnachtsstücken« für die Kinder noch seinen »alten« Zauber bewahrt, der so ganz anders funktioniert als das Anknipsen der Glotze oder Aufschlagen eines Buches. Vorhang auf - und Erich Kästners ewig junges Jugendbuch von »Pünktchen und Anton« wird in Katharina Wieneckes entzückender, komischer und auch lehrreicher Schauspielhaus-Inszenierung quicklebendig. Pünktchen gewinnt auf Anhieb die Zuschauer. Marina Lubrich spielt das kesse Gör mit dem Herzen auf dem rechten Fleck: aufgeweckt und ein bisschen altklug, schnippisch und noch verspielt - wenn sie ihren Dackel Piefke zum Rasieren einschäumt. Der Holzhund und sie tragen eine rote Baskenmütze. Friseur Habekuss klappt seinen Laden einfach aus Antons marodem Mietshaus heraus. Dort wohnt der Junge mit seiner kranken Mutter. Er kocht für sie Essen, geht nebenbei zur Schule und muss abends noch Geld durch Bettelei auf der Brücke verdienen.
Hier begegnen sich in Kästners »wahrer Geschichte« das kleine vorlaute, aber nicht verzogene Mädchen aus reichem Haus und der arme, brave Anton (Anton Pleva). Denn das Kindermädchen Fräulein Andacht geht heimlich mit Pünktchen betteln.
Wie aus riesigen Modell-Bastelbögen haben die Bühnenbildner Georg & Paul bunt bemalte »Papierhäuser« ausgeschnitten und auf die rotierende Drehscheibe gestellt. Auch die weiße Villa von Pünktchens reichem Vater Pogge (ewig in Hetze, Geld zu scheffeln: Hanns Jörg Krumpholz) samt Esszimmer und Eingangstür mit Löwen. Die aufgetakelte »vornehme« Mama (Sandra Maria Schöner) hat für Pünktchen ebenfalls nie Zeit. Entweder geht sie einkaufen, hat Migräne oder besucht die Oper. Fräulein Andacht (so ulkig verschroben wie verlogen: Marlen Diekhoff) hat freie Bahn für ihr Doppelspiel. Zum Glück für Anton (Anton Pleva). Zum Pech für die in einen Ganoven verknallte Gouvernante.
Die Kaschemmen-Unterwelt von Robert dem Teufel (Achim Buch) fährt aus dem Orchestergraben hoch. Hier wird noch Tango getanzt. Muss echt die Hölle sein für die viel lieber zu Rap und Techno-Beat hopsenden Kids. Die Band musiziert aber schmissig, spielt und singt mit Patricia Rieckhoff die lustigen Lieder von Michael Batz (Text) und Markus Voigt (Musik). Nachdem der Einbrecher in Kasperltheaterart zum Vergnügen der kleinen Zuschauer geprügelt und gefangen ist, tanzen der baumlange dünne Polizist und die kleine runde Köchin Berta (Juliane Koren) fröhlich zum Likörchenlied: »Niemand schlägt so schön wie Berta.« Freundschaft und Wahrheit siegen am Ende natürlich über Lüge und Gemeinheit. Sogar der brechtsche Lehrstück-Ton kommt noch flott über die Rampe: »Und willst du nicht gemein sein, dann brauchst du wirklich Mut.« Zur Belohnung fahren Pünktchen und Anton, ausgerüstet mit Gummikrokodil, Schwimmreifen und Taucherflossen in Pogges großem Luxusauto an die Nordsee.
Großes Hallo und Tschüs-Gewinke zum Abschied. Vorhang zu. Und Riesenjubel für ein wirklich tolles Theatererlebnis.
»Pünktchen und Anton« auf schauspielhaus.de
Beschreibung, Besetzung, Termine, Karten
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