Das Käthchen von Heilbronn
von Heinrich von Kleist
»Das Glück dieses Abends liegt darin, dass dies heikle Dramen-Ende hier eine schlaue und wagemutige Basis gewinnt: Größtes Glück und ein wirklich neues Leben gründen sich auf Gefühl, Kopf und Tat. Eine Einheit von Denken und Sein: viel Philosophie am Stück, deren glaubwürdige Sinnlichkeit am Schluss mit viel Beifall vom Premierenpublikum bedacht wurde. Ein großer Abend fürs Schauspielhaus.« Spiegel online
»Eindrucksvoller und lohnender Theaterabend« dpa

Trailer
»Ging sie über die Straße, so rief es flüsternd von allen Fenstern herab: das ist das Käthchen von Heilbronn; das Käthchen von Heilbronn, ihr Herren, als ob der Himmel von Schwaben sie erzeugt, und von seinem Kuß geschwängert, die Stadt, die unter ihm liegt, sie geboren hätte.« KLEIST, DAS KÄTHCHEN VON HEILBRONN
»Was fehlt dem Kind?« Käthchen, Tochter eines Heilbronner Waffenschmieds, liebreich und begütert, hat den Mann ihrer Träume gefunden, den Grafen Wetter vom Strahl. Seit der ersten Begegnung folgt sie ihm in rätselhafter Ergebenheit auf Schritt und Tritt, nimmt Demütigungen hin, nur um in seiner Nähe zu sein. Ihr besorgter Vater klagt vor dem Vehmgericht, der Graf habe seine Tochter verhext und verführt. Der aber wird freigesprochen, denn Käthchen, so der Spruch, handele aus freiem Willen. Zwar fühlt sich auch der Graf zu Käthchen hingezogen, doch der Standesunterschied verbietet eine Liebe zwischen den beiden. Außerdem hatte einst ein Engel dem Grafen in einem Traum verheißen, er werde die Tochter eines Kaisers heiraten. Alles deutet darauf hin, dass sich dieser Traum in einer Verbindung mit Kunigunde von Thurneck erfülle. Angesichts dieser – durchaus lukrativen – Perspektive stört das merkwürdige Käthchen und es wird fortgejagt. Doch gegen alle Widerstände folgt sie unbeirrt der Stimme ihres Herzens. Als auf Kunigundes Burg ein Feuer ausbricht, begibt sich Käthchen mitten hinein in die lodernden Flammen – und eine höchst märchenhafte Wahrheit kommt ans Licht. In seinem 1807/1808 entstandenen Ritterschauspiel schuf Kleist eine Terroristin der Liebe, fremd und verstörend. Käthchen liebt – unbedingt und unerschütterlich. Gegen alle gesellschaftlichen Konventionen lebt sie ihren Traum im Glauben an den Geliebten – unbeirrt und deshalb so rücksichtslos und undurchschaubar für andere. Käthchens bedingungsloses Einssein mit sich selbst, ihre Gefühlssicherheit, lässt sich nicht mit Logik begründen. »Ob das, was wir Wahrheit nennen, wahrhaft Wahrheit ist, oder ob es uns nur so scheint«, fragte sich einst Kleist in einem Brief an Wilhelmine von Zenge. In diesem märchenhaften Stück wird der Traum schließlich wirklicher als die Wirklichkeit. Die Wahrheit, so scheint es, liegt im Traum.
Roger Vontobel, 1977 geboren, studierte Regie in Hamburg. Seine Studienproduktion von [fi'lo:tas] nach Lessing sowie seine Deutung von Kleists »Hermannsschlacht« am Theaterhaus Jena wurden zum Festival »Impulse« eingeladen. Roger Vontobel arbeitet u.a. am Schauspiel Essen, am Theater Graz und an den Münchner Kammerspielen. Am Deutschen Schauspielhaus inszenierte er die Uraufführung von Juli Zehs Roman »Spieltrieb«, in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen »Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung«, die Uraufführung von »Me and You and the EU« sowie »Die Helden auf Helgeland «. 2006 wurde Roger Vontobel zum Nachwuchsregisseur des Jahres gewählt, 2007 erhielt er den Bensheimer Nachwuchspreis für Regie.
Zwei Rolf-Mares-Preise für das Schauspielhaus
In der Kategorie »Außergewöhnliche Aufführung« geht der Preis an Roger Vontobel für seine Inszenierung von »Das Käthchen von Heilbronn« und in der Kategorie »Außergewöhnliches Bühnenbild« gewinnt Doris Dziersk für »Ein Volksfeind«. Alle Preisträger finden Sie hier.
Die Vorstellung dauert zwei Stunden und 35 Minuten. Eine Pause.
Regie Roger Vontobel
Bühne Claudia Rohner
Kostüme Heide Kastler
Musik und Video Immanuel Heidrich
Choreinstudierung (Sprache und Gesang) Marc Aisenbrey
Licht Annette ter Meulen
Dramaturgie Stephanie Lubbe,
Eva-Maria Voigtländer
Mit Marco Albrecht,
Guntram Brattia,
Lukas Holzhausen,
Irene Kugler,
Julia Nachtmann,
Michael Prelle,
Aleksandar Radenković,
Jana Schulz,
Tristan Seith
Chor (3. Studienjahr Schauspiel der Theaterakademie an der HFMT Hamburg) Marie Sophie Seiser/Vanessa Czapla, Pina Bergemann, Benedikt Greiner, Rüdiger Hauffe, Arash Hosseinkhani Marandi,
Wiebke Mollenhauer,
Anton Pleva,
Lisa Stiegler[e]