Die Helden auf Helgeland
von Henrik Ibsen
Wiederaufnahme
29.11.08, 20:00 Uhr

, Malersaal
»Fabelhafte Leistungen von Jana Schulz als größenwahnsinniger Furie, Jürgen Uter als Wikinger-Paten, Julia Nachtmann als ehrlich verletztem Blondchen und dem übrigen starken, jungen Ensemble.« Hamburger Abendblatt, 8.1.2008
»Vontobel inszeniert den Tanz am Abgrund feinfühlig und genau, dosiert ihn mit der perfekten Mischung aus Psychologie und Ironie.« Nachtkritik, 7.1.2008
»Das Stück spielt in der Zeit von Erik Blutaxt«. Mit diesen Worten beginnt Henrik Ibsens kaum bekanntes Jugendwerk »Nordische Heerfahrt«, das er 1857 im Alter von 29 Jahren vollendete. Es ist ein Wikingerdrama, ein großes Epos voller Blut, Rache und aufwallenden Gefühlen. Ein Krimi, eine Klamotte, eine große Liebesgeschichte, ein Abenteuerschinken. Es ist Winter; hoher Schnee und Sturm. Die See ist in wilder Aufruhr, als Sigurd der Starke die Küste Helgelands betritt. Zufällig begegnet er dort seinem Widersacher Oernulf von den Fjorden. Sigurd hatte vor vier Jahren dessen Tochter Dagny geraubt und war mit ihr geflohen. Gleichzeitig hatte Gunnar, ein reicher Bauer auf Helgeland, Oernulfs Pflegetochter Hjördis geraubt. Der betrogene Vater will nun endlich Ordnung in die Eheverhältnisse bringen und sich mit seinen Schwiegersöhnen vertragen. Doch Hjördis, Gunnars Frau, steht der Sinn nicht nach Harmonie. Sie ist unglücklich mit ihrem jetzigen Leben, verzweifelt und frustriert an der Seite Gunnars, der ihr schwach und langweilig erscheint. Durch einen Zufall offenbart sich das ganze Drama um den Frauenraub: Hjördis, die als unbezwingbar galt, hatte nur demjenigen Mann ihre Hand versprochen, dem es gelingen würde, einen Eisbären zu töten. Sigurd, der seinem Freund Gunnar helfen wollte, verkleidete sich, tötete das Ungeheuer, und so vermählte sich Hjördis mit dem Falschen, dem Schwachen, während Sigurd Dagny heiratete. Erfüllt von Hass, Stolz und bitterer Enttäuschung, beginnt Hjördis nach der Offenbarung dieser Täuschung ihren persönlichen Rachefeldzug...
Ibsen hat den Stoff der nordischen Wölsungasaga entnommen, die mit dem Nibelungenlied verwandt ist. Dieses nationale Epos voll archaischer Kraft trifft auf Ibsens psychologisches Feingefühl. Aus den riesenhaften Verhältnissen und Vorgängen der Volkssage schält der Meisterpsychologe menschliche Dimensionen heraus. »Ich hatte die Absicht, unser Leben in der alten Zeit, nicht unsere Sagenwelt darzustellen «, schrieb Ibsen. Die Geschichte funktioniert hier als Spiegel des modernen Menschen. »Die Helden haben ausgespielt«, erklärte einst Einar Schleef. Aber ist das wirklich so? In einer Welt, die immer unübersichtlicher wird, ist die Sehnsucht groß nach starken Vorbildern, Menschen, die wissen, wo es lang geht. Ibsens Helden von Helgeland befinden sich an eben jener Schwelle zwischen vorbestimmtem Schicksal und individueller Suche. In einem existenziellen Kampf versuchen sie die Grenzen ihrer persönlichen Freiheit auszuloten und scheitern doch an den gesellschaftlichen Verhältnissen. »In unseren Zeiten soll alles frei sein – ja, man soll frei sein, selbst wo man sich gar nicht drum schert, man soll frei sein, sonst schlagen sie einen wohl tot«, bringt Sören Kierkegaard das Dilemma des modernen Menschen auf den Punkt. Vor lauter Freiheit keine Lösung? Echte Helden braucht das Land!
Die Helden auf Helgeland im Second Life
Das Schauspielhaus begibt sich mit der Produktion »Die Helden auf Helgeland« als eines der ersten Theater weltweit live in die virtuelle Welt des Second Life. Die Schauspieler werden auf zwei Ebenen spielen: einmal »echt« auf der Bühne des Malersaal und dazu virtuell, als Avatare im Second Life.
In diesem
Blog schreiben Milan und Michael, die für den virtuellen Teil der Produktion zuständig sind, über ihre Arbeit.
Roger Vontobel wurde 1977 geboren, studierte Regie in Hamburg. Seine Studienproduktion von Lessings »[fi'lo:tas]« sowie seine Deutung von Kleists »Hermannsschlacht« (Theaterhaus Jena) wurden zum Festival »Impulse « eingeladen. Roger Vontobel arbeitet u.a. am Staatstheater Stuttgart, am Grillo-Theater in Essen und an den Münchner Kammerspielen. Am Schauspielhaus inszenierte er die Uraufführung von Juli Zehs Roman »Spieltrieb«, in Koproduktion mit den Salzburger Festspielen »Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung« sowie die Uraufführung von »Me and You and the EU«. 2006 wurde Roger Vontobel zum Nachwuchsregisseur des Jahres gekürt und erhielt den Bensheimer Nachwuchspreis für Regie.
English Version

Die Helden Auf Helgeland (The Vikings of Helgeland)
by Henrik Ibsen
»The play takes place around the time of Erik Blutaxt.« This is the opening to Ibsen’s lesser known play, written in his youth and finished at the age of 29, in 1857. It is a Viking drama; an epic play filled with blood, revenge, and surging emotions. It is a thriller, a trashy novel, a play filled with adventure, and a great love story.
Ibsen used material from the famous Wölsungasaga, which is related to the Nibelungenlied. This national saga filled with archaic force is mixed with Ibsen’s psychological finesse. In a world such as ours the longing for a strong example, for someone who knows what they are doing, is only getting stronger. Ibsen’s heroes in Helgeland find themselves at the threshold between a predetermined fate, and the search for their identity. In an existential battle they try to break the boundaries of their individual freedom, failing however to strike up a relationship with society.
Die Vorstellung dauert 1 3/4 Stunden. Keine Pause.
Regie Roger Vontobel
Bühne Claudia Rohner
Kostüme Nadine Grellinger
Virtuelle Realisation two antennas
Licht Boris Preuschmann
Dramaturgie Nicola Bramkamp
Mit Hans-Caspar Gattiker,
Janning Kahnert,
Julia Nachtmann,
Jana Schulz,
Jürgen Uter,
Martin Wolf[e]