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Schauspielhaus Hamburg
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Wer einmal aus dem Blechnapf frisst
Nach dem Roman von Hans Fallada
Premiere
18.04.09, 20:00 Uhr Ticket online kaufen, Schauspielhaus240

»Viel Witz, ein geniales Bühnenbild und Darsteller, die alle so gut sind, dass man keinen einzeln loben darf.«
Bild

»Das ganze zehnköpfige Ensemble spielt brillant«
Deutschlandradio Kultur

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Trailer

»Nicht aus Freude am Abenteuerlichen, nicht als echte Milieuschilderung wirklicher ›Unterwelt‹ wird der Roman geschrieben, sondern um zu zeigen, wie der heutige Strafvollzug und die heutige Gesellschaft den einmal Gestrauchelten zu immer neuen Verbrechen zwingt.« FALLADA IM EXPOSÉ ZUM ROMAN (1932)

Nach fünf Jahren Haft wird Willi Kufalt aus dem Gefängnis entlassen. Er entschließt sich, ein neues Leben zu beginnen und eine ehrbare Existenz aufzubauen. In Hamburg glaubt er, eher einen Platz in der bürgerlichen Gesellschaft finden zu können als in der Provinz. In einer Besserungsanstalt für entlassene Häftlinge geht er einer geregelten Arbeit nach und verdient sein eigenes Geld, wird aber von der korrupten Heimleitung ausgenommen; er kann sich aus dieser Abhängigkeit befreien und wagt den Schritt in die Selbständigkeit. Er muss sich eine eigene Wohnung und eine neue Arbeitsstelle suchen. Schnell merkt er jedoch, dass sein fünfjähriges Gefängnisleben als Makel an ihm haften bleibt. Sein Wunsch, eine neue Existenz aufzubauen, scheitert immer wieder an den Vorurteilen seiner Mitmenschen. Dennoch gibt Willi Kufalt nicht auf. In die Provinz zurückgekehrt, findet er nach längerer Suche einen Job als Annoncenwerber für eine Zeitung und lernt eine Frau kennen, mit der er sich verlobt. Für kurze Zeit scheint das Glück zum Greifen nah. Als er fälschlicherweise für einen Diebstahl verantwortlich gemacht wird, zerbricht sein Traum von einer ehrbaren Existenz, und er erkennt, dass er keine Chance auf ein bürgerliches Leben hat. Daraufhin beschließt er, sein Geld auf illegale Weise zu verdienen, da er ohnehin nichts mehr zu verlieren hat. Der geplante Juwelenraub am Jungfernstieg geht jedoch gründlich schief, und er landet wieder im Gefängnis. Bei seiner Festnahme zeigt er keinerlei Reue, sondern fühlt sich geradezu befreit. Seine Existenzängste und der Druck, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen, sind verflogen. Die Haftanstalt bietet dem rückfällig Gewordenen Ordnung, Ruhe, Wärme, kurz: ein Zuhause, das er außerhalb der Gefängnismauern nicht zu finden vermochte. »Wer einmal aus dem Blechnapf frisst« zählt zu den großen sozialkritischen Romanen des 20. Jahrhunderts. Hans Fallada verarbeitet in dem 1934 erschienenen Roman unter anderem seine eigenen Erfahrungen aus Aufenthalten im Gefängnis. Es ist die genaue psychologische Studie eines Häftlings, der sich seiner kriminellen Vergangenheit bewusst ist, die erhaltene Strafe akzeptiert, um eine neue Chance kämpft, in die Gesellschaft aufgenommen zu werden, und dennoch scheitert. Die Mauern, die die Gesellschaft um sich herum errichtet, sind es, an denen die Hauptfigur zerschellt. Bloß Geschichte?

Daniel Wahls Arbeiten reiben sich stets an gegenwärtigen Zuständen. So wird die Frage nach den Ursachen für das Schicksal Willi Kufalts mit der nach bestimmten Formen des heutigen Strafvollzugs verknüpft. Taugen etwa die in Verruf gekommenen Bootcamps, um die Jugendkriminalität in den Griff zu bekommen? In den meist privatwirtschaftlich organisierten, praktisch unregulierten Anstalten ist es sogar schon zu Todesfällen gekommen. Es stellt sich auch die Frage nach unserem Verhältnis zu den »Eingeschlossenen«. Daniel Wahl, geboren 1966 in Zürich, studierte dort an der Schauspielakademie. Er arbeitete als Regisseur, u.a. in Luzern und Basel (dort inszenierte er auch »Schällemätteli«, ein Theaterprojekt über Straf vollzug). Als Schauspieler war er am Théâtre de Complicité in London und am Theater Basel engagiert. Seit der Spielzeit 2005/ 2006 ist er Ensemblemitglied am Schauspielhaus. Seine erste Inszenierung am Jungen Schauspielhaus, »Sagt Lila«, wurde zum Kinder- und Jugendtheatertreffen 2007 nach Berlin eingeladen. In der Spielzeit 2007/2008 inszenierte er »Herr der Fliegen« mit 40 Jugendlichen auf der Großen Bühne und am Jungen Schauspielhaus »Träumer« nach dem Roman von Gilbert Adair. In dieser Spielzeit wird er außerdem »American Youth« im Jungen Schauspielhaus inszenieren.

In einer Bearbeitung von Daniel Wahl

PREMIERE 18. April 2009, Schauspielhaus
     

 

Regie Daniel Wahl
Bühne und Kostüme Viva Schudt
Musik Benjamin Brodbeck
Chorleitung Ulrich Kaiser
Video Martin Groß
Licht Kevin Sock
Dramaturgie Steffen Sünkel
Mit Marco Albrecht, Achim Buch, Tim Grobe, Janning Kahnert, Hedi Kriegeskotte, Hanns Jörg Krumpholz, Renato Schuch, Jürgen Uter, Martin Wißner, Sören Wunderlich
und dem Neuen Knabenchor Hamburg e.V.
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Achim Buch, Renato Schuch, Hedi Kriegeskotte, Janning Kahnert, Hanns Jörg Krumpholz, Martin Wißner, Sören Wunderlich
Foto: A.T. Schaefer
Kartentelefon: 040.24 87 13140
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