Glaube Liebe Hoffnung
Ein kleiner Totentanz
von Ödön von Horváth. Mitarbeit: Lukas Kristl
Premiere
22.11.09, 20:00 Uhr

, Schauspielhaus
»Regisseurin Karin Henkel inszeniert das Drama am Deutschen Schauspielhaus nicht als rühriges Volksstück oder realistisches Sozialdrama, sondern als Solo für Jana Schulz, die ihre Elisabeth im roten Flatterkleidchen einen störrischen doch nicht zu gewinnenden Kampf gegen eine geschlossene, sie verachtende Gesellschaft führen lässt.«
HAMBURGER ABENDBLATT
»Regisseurin Karin Henkel, die am Schauspielhaus bereits mit »Medea« und »Minna von Barnhelm« Erfolge feierte, nimmt Horváths Anweisung »Individuum gegen Gesellschaft« wörtlich: Elisabeth, eindringlich und überzeugend gespielt von Schauspielhaus-Star Jana Schulz, spielt alleine gegen alle anderen.«
GIESSENER ALLGEMEINE ZEITUNG
»Schauspielhaus-Star Jana Schulz spielt sich die Seele aus dem Leib! Sie ist der tief menschliche Fixpunkt in einem ansonsten sehr ironischen Spektakel voll cleverer Textspielereien, Musikeinlagen und surrealem Masken-Mummenschanz. Modernes, intelligentes, aufregendes Theater. Dafür gab’s bei der Premiere begeisterten Applaus und viele Bravos.«
BILD
»Es raubt einem den Atem.«
SPIEGEL ONLINE

Trailer
»SCHUPO Ohne Glaube Liebe Hoffnung gibt es logischerweise kein Leben. Das resultiert alles voneinander.
ELISABETH Sie haben leicht reden als Staatsbeamter in gesicherter Position.
SCHUPO Wir müssen doch alle mal sterben.
ELISABETH Hörens mir auf mit der Liebe.«
ÖDÖN VON HORVÁTH, GLAUBE LIEBE HOFFNUNG
Im Februar 1932, auf dem Höhepunkt der ersten Weltwirtschaftskrise, traf Ödön von Horváth auf einer Reise den Gerichtssaalberichterstatter Lukas Kristl, der ihn fragte, warum sich die Dramatiker immer nur für Kapitalverbrechen interessierten und sich kaum jemals mit den »kleinen Verbrechen« beschäftigten. (Auch heute reichen ja fehlende 1,30 € eher zur Entlassung als das Versenken von Milliardenvermögen.) Kristl erzählte ihm vom Fall einer Korsettvertreterin, die wegen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden war. Horváth nahm Kristls Anregung zum Anlass, den »gigantischen Kampf zwischen Individuum und Gesellschaft« zum Thema zu machen, »dieses ewige Schlachten, bei dem es zu keinem Frieden kommen soll, höchstens dass mal ein Individuum für einige Momente die Illusion des Waffenstillstandes genießt.« So entstand Horváths »Kleiner Totentanz«, in dem er in fünf Stationen den Leidensweg der mittellosen Elisabeth schildert, die trotz ihres Lebensmottos »Ich lasse den Kopf nicht hängen« schließlich an der Rigorosität des Systems zugrunde geht. Das Stück beginnt vor dem Anatomischen Institut. Elisabeth braucht dringend 150 Mark, um eine Vorstrafe zu bezahlen, da sie ohne Wandergewerbeschein gearbeitet hat. Deshalb möchte sie schon zu Lebzeiten ihre Leiche für die Forschung verkaufen. Aus Mitleid streckt ihr der Präparator das Geld vor, im Glauben, ihr damit einen neuen Wandergewerbeschein zu finanzieren. Noch bevor sie die 150 Mark abarbeiten kann, verliert sie ihre Stelle, weil sie als Verkäuferin nicht genug Umsatz macht. Als der Präparator herausfindet, dass sie mit seinem Geld ihre Vorstrafe bezahlt hat, erstattet er Anzeige gegen sie. Elisabeth wird wegen Betrugs zu vierzehn Tagen Gefängnis verurteilt. Aber sie gibt die Hoffnung nicht auf. Sie lernt vor dem Wohlfahrtsamt den jungen Schupo Alfons Klostermeyer kennen und verliebt sich in ihn. Als der von ihren Vorstrafen erfährt, verlässt er Elisabeth aus Angst um seine Karriere. Verzweifelt und völlig entkräftet geht Elisabeth ins Wasser. Horváth hat den Kampf zwischen Individuum und Gesellschaft als Kern all seiner Stücke bezeichnet. In »Glaube Liebe Hoffnung« beschreibt er, wie Elisabeth durch ihre Vorstrafe und ihre Armut zunehmend sozial isoliert wird. Die allgemeine wirtschaftliche Not der Zeit – allein in Deutschland gab es damals fast sechs Millionen Arbeitslose – spiegelt sich im Bedürfnis der Gesellschaft nach Abgrenzung gegenüber Armut. Unverzichtbar sind hierbei Status und Hierarchien, die Sicherheit und Ordnung vorspiegeln und die Angst vor dem gesellschaftlichen Abstieg lindern. So werden die Begegnungen zwischen Elisabeth und den Menschen ihrer Umgebung immer bösartiger. Homo homini lupus est.
Karin Henkel, geboren 1970, arbeitete u.a. am Burgtheater Wien, am Deutschen Theater Berlin, in Bochum, Bremen, Leipzig, Düsseldorf, Köln, und Stuttgart. Ihre dortige Inszenierung von Tschechows »Platonow« wurde 2006 zum Theatertreffen Berlin eingeladen. Die Stadt Leipzig verlieh ihr 2006 den Caroline-Neuber-Preis. »Glaube Liebe Hoffnung« ist nach »Medea«, »Komödie der Verführung« und »Minna von Barnhelm« ihre vierte Inszenierung am Schauspielhaus.
Premiere am 22. November 2009 im Schauspielhaus
Die Vorstellung dauert zwei Stunden. Es gibt keine Pause.
Regie Karin Henkel
Bühne Stefan Mayer
Kostüme und Masken Klaus Bruns
Musik Cornelius Borgolte,
Katharina Debus
Dramaturgie Stephanie Lubbe,
Michael Propfe
Licht Annette Ter Meulen
Mit Marco Albrecht,
Peter Bernhardt,
Tim Grobe,
Hedi Kriegeskotte,
Jana Schulz,
Tristan Seith,
Sören Wunderlich
sowie Katharina Debus (Gesang), Cornelius Borgolte / Bertram Ernst (Fender Rhodes)
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