Nachrichten aus der ideologischen Antike
von Alexander Kluge
In einer Bearbeitung von Kevin Rittberger
Uraufführung
Premiere
30.01.10, 20:00 Uhr

, Malersaal
»Dabei verwandelt Rittenberger Kluges neunstündiges Interview-Werk um „das Kapital“ von Karl Marx in ein rasantes, spektakuläres Horror-Stück mit Sinn fürs Teleologische.« DIE WELT
»Die Inszenierung aber stürmt durch Sinnbilder, Verstand und Gemüt, wobei sie vermarxte und vermurkste Assoziationen hervorruft, dass es ein reiner Gewinn ist.« DIE WELT
»Die vielschichtige und intelligent gemachte Schau lässt auch das Pariser Horrortheater filmisch wieder auferstehen – als Projektion auf der Rückwand.« HAMBURGER MORGENPOST

Samuel Weiss über das Grand Guignol Theater

Ausschnitt aus dem Film »Nachrichten aus der ideologischen Antike« von Alexander Kluge.
Felix Kramer als junger Karl Marx und Samuel Weiss als Urmensch lesen »Das Kapital«.
"Die Utopie wird immer besser, während wir auf sie warten." ALEXANDER KLUGE
"Die Grundlage aller Ökonomie ist die Lebenszeit, also muss die Lebenszeit abgeschafft werden." BIOKOSMISMUS
1927 schreibt der russische Filmemacher Sergej Eisenstein folgendes in sein Arbeitsbuch: »Der Entschluss steht fest, »Das Kapital« nach dem Szenarium von Karl Marx zu verfilmen.« In den imaginären Steinbrüchen Alexander Kluges lebt das Vorhaben nun fort. Die szenischen Miniaturen – und darin folgt er Eisensteins Vorstellung einer kugelförmigen Dramaturgie – sind einzelnen Lebensläufen geschuldet, während gleichzeitig Assoziationsketten und Subtexte die gesamte Menschheitsgeschichte aufrufen. Es geht um den langen Marsch der Außenwelt in das Innere des Menschen.
Menschen haben, so Kluge, wenn auch nur in ihren Zellen, ein Bewusstsein dafür, den geschichtlichen Prozess beeinflussen zu können. Auf die Frage, ob sie mit dem Resultat ihrer Arbeit zufrieden seien, antworten die toten Geschlechter: So haben wir das alles nicht gewollt. Niemals aber werden sich die Menschen ihren Weg in die Emanzipation ausreden lassen. Im Magazin des ehemaligen Grand-Guignol-Theaters, das noch bis vor 40 Jahren Horrorstücke spielte, werden die Fragen nach dem Unabgegoltenen in der Geschichte nun neu gestellt, der »Zeitbedarf von Revolutionen« neu formuliert: Einer der Darsteller, der Mann ohne Kopf, probt seit 40 Jahren die perfekte Hinrichtungsszene.
So werden die »Nachrichten aus der ideologischen Antike«, Kluges verspielter Kommentar auf das Hauptwerk von Karl Marx, nun mit den Mitteln der Bühne fortgesetzt – auch als Reverenz an jene Mitglieder unseres Ensembles, die in Kluges Film mitgewirkt haben.
Kluge, Marx und Grand Guignol
Der Dramaturg Steffen Sünkel hat sich mit Kevin Rittberger unterhalten.
Hier können Sie sich das Gespräch als PDF-Datei herunterladen.
PREMIERE 30. Januar 2010 Malersaal
Die Vorstellung dauert eine Stunde und vierzig Minuten. Es gibt keine Pause.
Regie Kevin Rittberger
Bühne Christoph Ebener
Kostüme Janina Brinkmann
Musik Stefan Schneider
Dramaturgie Steffen Sünkel
Licht Björn Salzer
Video Alexander Grasseck
Mit Ute Hannig,
Lukas Holzhausen,
Felix Kramer,
Marie Leuenberger,
Stefan Schneider,
Samuel Weiss[e]