Das Wunder von Schweden
Eine musikalische Möbelsaga
von Erik Gedeon und Klas Abrahamsson
Uraufführung
10.03.10, 20:00 Uhr

, Schauspielhaus
»Erik Gedeon und Klas Abrahamsson erzählen in 'Das Wunder von Schweden' die Passion vom Leiden und Erfolg des 'Möbel-Messias'. Bei der musikalischen Travestie eines Bachoratoriums im Schauspielhaus gelingt ihnen ein spöttischer Abgesang auf den Kapitalismus, den Segen von Gewinn und Zins.« Hamburger Abendblatt
»Auch die Schauspieler, wie Andreas Grötzinger als Ingvar oder Janning Kahnert als Hängeschrank Dunsen, sind durchweg überzeugend. Schlicht zu Hochform läuft Tim Grobe auf; mal als Gegenspieler Ingvars, mal dessen Gehilfe, der sich auch stimmlich immer mehr steigert.« Die Welt
»Erik Gedeon hat sich durch die nordische Musikliteratur gegraben, hat schwere, alte Melodien zusammengetragen und zu einer Art Oratorium gefügt. Die Biografie von Ingvar Kamprad ist also ironisch als Leidensgeschichte eines Erlösers aufbereitet, als Kreuzweg eines gläubigen Kapitalisten.« NDR 90,3
»Gesanglich und musikalisch ist der Abend eine Wucht, bei dieser Möbelsaga stimmt (fast) alles. Die Form passt zum Inhalt, Rezitative wechseln sich mit Chorszenen ab, hinzu kommt eine äußerst gelungene Mischung aus Volksweisen. Und auch die Idee, Kamprad als Heilsgestalt für gescheiterte Börsenspekulanten zu inszenieren, hat Witz.« NDR info
»Ein kluger, bemerkenswerter Abend ist das – auch musikalisch. Erik Gedeon hat nordische Melodien neu kombiniert und arrangiert – er beweist, dass er mehr kann, als gängige Hits aneinanderzureihen.« NDR 90,3

Trailer
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»Es ist nicht wichtig, was einer einnimmt oder verdient. Die Hauptsache ist, was einer ausgibt. Du kannst reich werden, obwohl du arm bist. Du darfst bloß nichts unnötig ausgeben.« INGVAR KAMPRAD
Im kargen, holzreichen Småland, dem Armenhaus Schwedens, steht 1926 die Wiege eines der Wunderkinder der freien Marktwirtschaft: Ingvar Kamprad. Als Sohn verarmter deutscher Einwanderer väterlicherseits und einer schwedischen Krämerfamilie mütterlicherseits, entdeckt Ingvar Kamprad schon als Kind die Faszination von Gewinnmargen. Als Fünfjähriger erwirbt er Streichholzschachteln im Hunderterpack, um sie einzeln mit einem Bruttogewinn von mehreren Öre pro Stück weiterzuverkaufen. Mit siebzehn gründet er ein Ein-Mann-Versandhaus, mit der Geschäftsidee, günstige, für jeden Geldbeutel erschwingliche Möbel zu verkaufen – zerlegbare Möbel, die die Kunden selber transportieren und zusammenbauen können: IKEA ist geboren. Innerhalb weniger Jahre wird die Firma zu einem der weltweit erfolgreichsten Unternehmen. In dem akribischen, für alle Filialen verbindlichen Verkaufskonzept steht Kostenbewusstsein an erster Stelle, es enthält aber auch einen Tugendkatalog für die Mitarbeiter, von denen Bescheidenheit und Sparsamkeit erwartet wird. Alle duzen sich, und Privilegien für leitende Angestellte sind abgeschafft. Kamprad, der es liebt, bei seinen Besuchen alle Mitarbeiter zu umarmen wie eine große Familie, weigert sich hartnäckig, mit seinem Unternehmen an die Börse zu gehen und überführt das gesamte Firmenkapital in eine Stiftung, um seinen privaten Reichtum zu beschränken. Ausdrücklich bekennt sich der IKEA-Gründer zur Idee eines verantwortungsvollen, sozialverträglichen, »guten Kapitalismus«. Der Regisseur, Autor und Komponist Erik Gedeon und sein schwedischer Co-Autor Klas Abrahamsson entwickeln einen Abend zwischen Birke und Börse, in dem sie, mit viel Musik und schwarzem Humor, der Frage nachgehen, ob es so etwas wie »guten Kapitalismus« überhaupt geben kann (und wenn ja, wie viel er kostet). Getreu dem genuin schwedischen Erscheinungsbild des Möbelhauses orientieren sich die Kompositionen an der älteren nordischen Musikgeschichte. Dabei kommen auch die Möbel selbst zu Wort, darunter die singende Sitzgruppe »Bornholm« und der steppende Hängeschrank »Dunsen«.
HAMBURGER PREMIERE 24. September 2009 Schauspielhaus
Eine Koproduktion mit den
Ruhrfestspielen Recklinghausen 2009
English Version

The miracle of Sweden
A musical saga of furniture
from Erik Gedeon and Klas Abrahamsson
Premiere
1926: In deserted, wood-abundant Småland, the poorhouse of Sweden, there is the cradle of one of the child prodigies of free market economy: Ingvar Kamprad. As a son of impoverished German immigrants from the father’s side and Swedish chandlers from the mother’s side, Ingvar Kamprad got into the fascination of profit margin already as a young boy. At the age of five, he acquires matchboxes in hundred packets for reselling them separately with a gross profit of several Öre apiece.
Aged 17, he founds a one-man catalogue-company, having the business idea of selling reasonable furniture – demountable furniture, which the clients could carry and assemble on their own: IKEA is born. Within a few years, the company becomes one of the most successful enterprises in the world.
In the meticulous selling concept, obliging for all IKEA-stores, cost awareness has top priority, but it also contains a catalogue of virtues for the staff, of which modesty and thriftiness are demanded. Everybody addresses the others informally, privileges for executive staff are abolished.
Kamprad, who loves to hug all employees like a big family, persistently refuses to go public with his company and transfers the whole equity into a private foundation to limit his private prosperity. He explicitly avows himself to the idea of a responsible, socially acceptable »good capitalism«.
The director, author and composer Erik Gedeon and his Swedish co-author Klas Abrahamsson produce an evening between birch and stock exchange, with a lot of music and black humour, entering into the question, if »good capitalism« is possible at all (and if so, how much it costs). True to the genuine Swedish appearance of the furniture shop, the compositions are geared to the older Nordic music history. In doing so, the furniture itself has its say, among it the singing suite »Bornholm« and the stitching wall cupboard »Dunsen«.

Die Vorstellung dauert eine Stunde und fünfzig Minuten. Keine Pause.
Regie, Musik und musikalische Leitung Erik Gedeon
Bühne Ulrich Frommhold
Kostüme Dagmar Fabisch
Dramaturgie Florian Vogel
Licht Rebekka Dahnke
Mit Katja Danowski,
Tim Grobe,
Andreas Grötzinger,
Janning Kahnert,
Dietmar Loeffler,
Jana Mishenina,
Philipp Otto,
Sandra Maria Schöner,
Samuel Weiss[e]