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Schauspielhaus Hamburg
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Silly Old Fools
nach dem Roman »Lebensabend. Eine geriatrische Komödie« (»House Mother Normal«)
von B. S. Johnson
Deutsch von Michael Walter
In einer Fassung von Marc von Hennig
Uraufführung
Premiere
24.09.10, 20:00 Uhr Ticket online kaufen, Malersaal241

Wir sind eingeladen, einen Blick in eine Altenbewahranstalt zu tun, einen Entsorgungspark für den gesellschaftlichen Restmüll: Alte, Kranke, Demente, überwacht von einer Aufseherin, die sich perfiderweise Hausmutter (House Mother Normal) nennt und deren Regiment sich mittels physischer Strafen bemerkbar macht. Die Alten haben Fragen: »Wozu sollen wir funktionieren, wenn ihr uns nicht braucht?« oder »Warum holt uns zum Abend keiner ab, wie man Kinder aus dem Kindergarten abholt?« oder »Wieso sollen wir uns noch erinnern, wer ihr seid, wenn ihr uns doch immer vergesst?« Aber ihre Fragen kommen ihnen nicht über die Lippen, sondern stehen ihnen ins Gesicht geschrieben. Die Menschen bleiben stumm, und wo ihnen doch das eine oder andere Wort entweicht, entspricht ihre Art zu reden ihrer sozialen Vereinsamung. Monologe als authentischer Ausdruck ihrer Isolation. Dialog ist ein Missverständnis, oft nur eine Reaktion auf Außenreize. Wir vernehmen den Aufeinanderprall der Monologe, subtrahiert durch die eingeschränkte Wahrnehmung und multipliziert durch Rudimente eines falschen Bewusstseins: Rivalität, Eifersucht, Abgrenzung. Wir kennen die Muster und entdecken ein groteskes Spiegelbild unserer eigenen Welt. Wir blicken in eine Art von gesellschaftlichem Terrarium und beobachten diese seltsamen Wesen, wie sie immer wieder aus der Tiefe des Vergessens in das luftige Reich der Erinnerungen emportauchen und, wenn auch nur für einen kurzen Moment, wie geheilt erscheinen, ehe sie am Ende wieder verstummen. Das Sein als Nichts, zwischen nicht mehr und noch nicht, Auflösungen der Existenz, bei der das Reden eigentlich kaum mehr ist als ein physiologischer Reflex. Ein Elend, vor dem der Zuschauer geschützt ist durch die Differenz zwischen Wahn und Wirklichkeit der auftretenden Personen, eine Differenz, die neben Anteilname auch Humor freisetzt. Eine geriatrische Komödie eben. Bryan Stanley Johnson, 1933 in Hammersmith geboren, ist ein zu Unrecht vergessener Autor des 20. Jahrhunderts. Er stammte aus einer Arbeiterfamilie, verließ mit sechzehn Jahren die Schule, um als Buchhalter zu arbeiten, brachte sich im Selbststudium Latein bei und schaffte die Aufnahmeprüfung für das King’s College in London. Er hielt Englischvorlesungen, war verheiratet und hatte zwei Kinder. Er schrieb mehrere Romane, darunter »Christie Malrys doppelte Buchführung«, »Albert Angelo«, »Die Unglücksraben«, »Lebensabend« und »Lass die alte Dame anständig«, veröffentlichte zwei Gedichtbände, ferner Kurzgeschichten, ein Theaterstück (»B. S. Johnson vs. God«), war Lyrikredakteur und arbeitete auch als Film- und Fernsehregisseur; sein Film »You’re Human Like the Rest of Them« gewann 1968 auf zwei internationalen Kurzfilmfestivals den Grand Prix. Johnson litt unter dem ausbleibenden Erfolg seiner Bücher, obwohl die Avantgarde selten so unterhaltsam war wie bei ihm. An Depressionen leidend und von familiären Problemen belastet, nahm er sich im Alter von vierzig Jahren 1973 das Leben. Zum Zeitpunkt seines Todes war er nahezu unbekannt, ein Zustand, der in Deutschland trotz mehrfacher Publikationsversuche bis heute andauert.

Marc von Henning, 1960 in London geboren, arbeitet als Regisseur und Autor in verschiedenen Ländern Europas. Mit seiner ersten Theatergruppe »primitive science«, die er 1992 gründete, wurde er zum Geheimtip der Londoner OffTheater szene und zu zahlreichen Theater festivals auf dem Kontinent eingeladen. Daneben zahlreiche Übersetzungen und Bearbeitungen deutschsprachiger Theaterstücke ins Englische, darunter auch mehrere Werke Heiner Müllers (»Theatre Machine«, Faber & Faber, 1995). In Deutschland schrieb und inszenierte er ab 2000 zahlreiche Projekte für das Staatstheater Stuttgart und arbeitete u. a. am Schauspielhaus Graz, Schauspiel Frankfurt und Nationaltheater Athen. 2008 gründete er mit Susanne Reifenrath in Hamburg die Gruppe Meyer&Kowski, deren drei Stücke (»Der Umwegmacher«, »Die Geldwäscherin«, »Monogamie«) durch Deutschland und Europa reisen.

Premiere am 24. September 2010 im Malersaal
     

 

Regie Marc von Henning
Bühne und Kostüme Jörg Kiefel
Dramaturgie Michael Propfe
Licht Susanne Ressin
Mit Hedi Kriegeskotte, Irene Kugler, Michael Prelle, Katharina Schmidt, Jürgen Uter, Samuel Weiss, Sören Wunderlich
Statist Ein alter Mann

Weitere Termine:191
25.09.2010, 20:00 Uhr Ticket online kaufen
22.10.2010, 20:00 Uhr Ticket online kaufen
23.10.2010, 20:00 Uhr Ticket online kaufen

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Hedi Kriegeskotte, Katharina Schmidt
Foto: 2010 / Kerstin Schomburg
Kartentelefon: 040.24 87 13140
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