FREIHEIT?

„Freiheit“, ein Wort, steht im letzten Tweet des Widerstandskämpfers Ahmad Massoud, am Abend der angeblich vollständigen Eroberung des Pandschirtals durch die Taliban. Pathetisch, das Wort, wie aus einer anderen Zeit stammend, erschreckend, soweit es die Lage ins Bewusstsein ruft, zuletzt auch irritierend. Geht es hier noch um Freiheit? Als etwas Elementares, ganz unromantisch, ein minimales Maß an Möglichkeiten, Entscheidungen selbst zu treffen, die Abwesenheit von Zwang, den Rahmen, ein Gemeinwesen aufzubauen? Oder, von der anderen Seite aus gefragt: Bedeutet für die Taliban ihr Sieg nicht auch schlicht „Freiheit“, ihr Leben so zu leben wie sie denken, dass es gelebt werden muss, auch ohne Menschenrechte und Demokratie?

Unsere kleine Ausstellung mit diesem großen Titel will ansatzweise die Lage in Afghanistan dokumentieren, aktuelles und vergangenes Leben dort beschreiben, fragmentarisch, wie sonst. Wir möchten die Aufmerksamkeit für dieses bedeutende Land wachhalten, die einzigartige, zerstörerische und zugleich hochsymbolische Konstellation der Kräfte dort abbilden und nicht zuletzt den Blick auf die dort arbeitenden Künstler*innen und ihre ungesicherte Situation lenken. Die im Wachsen begriffene Ausstellung will zugleich auch ein anderes als das im Westen geläufige Bild Afghanistans zeigen.
Die Fotos stammen alle von afghanischen Fotograf*innen, einige konnten bzw. mussten das Land bereits verlassen. Vertreten sind:

Ishaq Ali Anis
Fatimah Hossaini
Massoud Hossaini
Barialai Khoshhal
Sanaullah Seiam 
Naseer Turkmani

Die Foto-Ausstellung kann vor und nach den Vorstellungen im SchauSpielHaus in den Umgängen des Parketts und des 1. Rangs besucht werden.

Kuratiert von: Ralf Fiedler, Martin Györffy, Finnja Denkewitz