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Premieren der Spielzeit 2017-18

Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson enthüllt die entsetzliche Wahrheit, wie die Frau über der Eisenbahnbrücke zu Tode gekommen ist [11+]

von Henning Mankell
Regie: Isabel Osthues

Premiere: 3/10/2017 im MalerSaal im Deutschen SchauSpielHaus

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Hasse Karlsson ist dreizehn Jahre alt und lebt in einem abgelegen kleinen Dorf in Schweden. Es ist Winter, es ist kalt und dunkel. Die Welt hier ist überschaubar. Hasse kennt alles und jeden. Da taucht Schwalbe auf. Er ist ebenso alt wie Hasse, ansonsten trennen die beiden Welten: Schwalbe ist Sohn des Oberförsters, besitzt Schneeschuhe und wohnt in einem Haus mit sieben Zimmern. Hasse dagegen fristet ein Leben am unteren Ende der Gesellschaft. Er verkauft Rattenfallen und schleicht sich ohne zu bezahlen ins Kino. Doch Schwalbe ist nicht nur in ein anderes Milieu hineingeboren. Er ist im Kern anders – skrupellos, heiß und kalt zugleich und radikal. Man ahnt von Beginn an, dass Schwalbe dem Bösen schon einmal ins Auge geblickt hat. So etwas fasziniert noch mehr, wenn im Leben sonst nichts passiert. Die beiden Jungen gehen eine unheimliche Verbindung ein: „Wir werden Schrecken verbreiten!“, beschreibt Schwalbe verschwörerisch das Bündnis der beiden. Der Schrecken wird tatsächlich kommen. Harmlos ist nichts, was die beiden tun. Zu Beginn sind die Aktionen zwar noch folgenlos, doch von einem solchen Menschenhass beseelt, dass man ahnt, Schlimmeres wird folgen. Die letzte gemeinsame Tat wird Hasse ein Leben lang nicht mehr loslassen.

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Demian [14+]

von Hermann Hesse
Regie: Moritz Beichl

Premiere: 6/12/2017 im MalerSaal im Deutschen SchauSpielHaus

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„Meine Geschichte ist die eines Menschen – nicht eines erfundenen, eines möglichen, eines idealen oder sonstwie nicht vorhandenen, sondern eines wirklichen, einmaligen, lebenden Menschen.“ Dieser einmalige Mensch heißt Emil Sinclair und beginnt seine Erinnerung mit dem Moment, in dem ihm aufgeht, dass die Welt aus zwei Welten besteht: einer heilen, milden und hellen und einer dunklen, die das Verbotene und Gewaltsame beheimatet. Emil, dessen Zuhause die dunkle Seite nicht zu kennen scheint, ist fasziniert von dieser Entdeckung. In Person des Straßenjungen Kromer verfällt er ihr und wird, naiv und unerfahren, auch gleich zu deren Opfer, wäre da nicht Max Demian, der ihn aus Kromers Griff befreit. Demian ist anders als alle, denen Sinclair bisher begegnete. Die beiden verbindet ein geheimes Band, ein Mal, das nur für diejenigen zu erkennen ist, die es tragen. Demian kennt die dunkle und helle Welt und öffnet Sinclairs Blick dafür, dass keine davon zu bevorzugen sei. Er spricht vom freien Willen, davon, dass jeder entscheiden könne, was erlaubt und was verboten sei, davon, dass sich die Zeiten ändern und damit die Regeln. Folgerichtig sei das Absolute nur in sich selbst zu finden. Demian ist Emil einen Schritt voraus. Er scheint dessen Dilemma zu kennen, seine erwachende Sexualität, seinen Hang zur Mystik, seine Unzufriedenheit mit der Konformität des bürgerlichen Daseins, doch scheint er es auch schon gleichsam überwunden zu haben. Vor dem Hintergrund des untergehenden Europas trennen und vereinen sich ihre Wege. "

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In einer kalten Winternacht [6+]

von Charles Way
Regie: Taki Papaconstantinou

Premiere: 28/1/2018 Große ProbeBühne im Deutschen SchauSpielHaus

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Stell dir eine Insel im Norden vor. Im Sommer ist es niemals dunkel und im Winter wird es niemals hell. Dort liegt ein Tal von Schnee bedeckt und im Tal eine winzige Hütte. In dieser Hütte lebt das Mädchen Smilla mit ihren Eltern. Es ist eigentlich ganz gemütlich. Eines Tages muss Smillas Mutter in die Stadt, denn sie erwartet ein Baby. Der Vater ist bei den Schafen. Smilla soll alleine zurückbleiben und gemeinsam mit dem Hund Tigull auf das kranke Schaf Gulbra aufpassen.

Das ist nun gar nicht mehr gemütlich, denn der Hund gehorcht dem Mädchen nicht, das Schaf läuft fort und ein Schneesturm naht. Smilla beschließt es zu suchen und begegnet dabei einem Eistroll, der sich auf den alljährlichen Kampf mit seiner Gegnerin, dem Feuertroll, vorbereitet. Fast verliert Smilla den Mut, doch als am Ende die Mutter mit dem Baby zurückkommt, ist Smilla kein kleines Mädchen mehr.

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Das Urteil [14+] 

Eine Heimsuchung nach Franz Kafka
Regie: Clara Weyde 

Premiere: 24/3/2018

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Ein junger Mann geht zielstrebig die Straße entlang Richtung Brücke, er klettert über das Geländer, ein Bus fährt vorbei. Er nutzt den Moment des Lärms, der sich über der Straße ausbreitet, und springt. Ob er ertrunken ist oder sich an das Ufer retten konnte, davon wissen wir nichts. Was wir wissen, ist, was dem Entschluss voranging. 

Georg Bendemanns Tag startet mit einem Vorhaben, das er bis dahin immer wieder infrage stellte. Doch heute ist der Tag gekommen, es zu realisieren. Er schreibt seinem glücklosen Freund in St. Petersburg einen Brief über das eigene Glück. Oft hat er gezweifelt, ob dem anderen das eigene gelingende Leben missfallen oder sogar kränken könnte, doch muss ein Freund nicht den Erfolg des andern genauso genießen, wie er selbst? Georg ist entschlossen und will nur kurz den Vater noch ins Vertrauen ziehen, da hebt dieser die Welt aus den Angeln. Der Vater demontiert voller Boshaftigkeit das Leben des Sohnes, bis er ein brutales Urteil fällt: Ein unschuldiges Kind warst du ja eigentlich, aber noch eigentlicher warst du ein teuflischer Mensch! – Und darum wisse: Ich verurteile dich jetzt zum Tode des Ertrinkens!

Kafka schreibt "Das Urteil" in einer einzigen Nacht nieder. „Nur so kann geschrieben werden, nur in einem solchen Zusammenhang, mit solcher vollständigen Öffnung des Leibes und der Seele.“ Schlicht, knapp und schnörkellos entfaltet Kafka das Unerhörte. Er unterwirft seinen Helden auf wenigen Seiten den Mühen des Menschseins und kündigt die Verlässlichkeit und Kausalität der Welt auf. Gemeinsam mit Georg Bendemann stehen wir vor den unglaublichen Varianten, die das Dasein in schöner und grausamer Weise bereithält.

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Ellbogen [14+] 

von Fatma Aydemir
Regie: Alexander Riemenschneider

Uraufführung: 8/4/2018

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Hazal ist 17. Sie lebt in Berlin und steckt in einer berufsbildenden Maßnahme fest. Bewerbungen schreiben, bei ihrem Onkel in der Bäckerei jobben, einen Joint durchziehen, abends ihrer Familie Çay servieren und heimlich mit Mehmet, den sie noch nie getroffen hat, in Istanbul skypen – so verlaufen Hazals Tage. Ein bisschen Freiheit erlügt sie sich, büxt aus, wo es eben geht. Eng und klein ist ihr Leben, jeder Schritt scheint vorherbestimmt. Doch dann kommt alles anders als erwartet. Hazal wird 18. Sie darf wundersamerweise hinaus in die Welt und sich feiern. Gemeinsam mit ihren Freundinnen stellt sie sich in die endlos scheinende Schlange eines berühmt-berüchtigten Clubs, doch als sie endlich vor dem Türsteher angekommen sind, werden sie abgewiesen. Unbändige Wut erschüttert die Mädchen. In der U-Bahn-Station verdreschen sie einen Studenten, der ihnen gerne seinen Schwanz gezeigt hätte und stoßen ihn auf die Schienen. Hazal flieht nach Istanbul und bereut nichts. „Wir hatten Streitlust, wir hassen deutsche Studenten“, wird sie ihrer Tante Semra sagen, die versucht, das Mädchen einzufangen und zurück in die Gesellschaft zu führen – zur Buße, zum Studium, nach Deutschland. Doch Hazal weigert sich. Ihr Mitleid gilt nicht dem Toten, sondern sich selbst, denn dass diese Tat ihr Leben verpfuscht hat, das weiß sie.

Fatma Aydemir hat einen kolossalen Roman vorgelegt, der das heutige Erwachsenwerden eines postmigrantischen Mädchens untersucht. Sie spielt mit Klischees und Archetypen und bricht mit ihnen im nächsten Schritt. Sie stellt uns ein Mädchen vor, dem menschlich kaum begegnet wurde, das auf eine Rolle hin erzogen wurde, die nicht die seine ist, das Wut und Hass in sich sammelt, um dann zu explodieren, das kein Opfer sein will und deswegen zur Täterin wird. Wie geht man um mit einem Menschen, der den anderen die Menschlichkeit abspricht? Der in reuelosem Zorn wütet? Eine Antwort gibt Aydemir nicht.

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Die ganze Welt in meinem Zimmer [12+]

Eine Stückentwicklung von Sergej Gößner, Klaus Schumacher und dem Ensemble
Regie: Klaus Schumacher

Premiere: 17/5/2018 

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Der Hausmeister der Immanuelkirche steht vor verschlossener Tür. Ein unbekanntes Phänomen für den Mann mit den vielen Schlüsseln. Sie muss von innen verriegelt worden sein und der Schlüssel muss stecken. Kein Eindringen ist möglich, aber auch keine Kontaktaufnahme. Der Insasse hinter der Tür schweigt. Aber ein Atmen ist doch zu vernehmen? Wer hat sich weshalb in der Kirche verschanzt und warum ist kein Dialog möglich? Will derjenige nicht sprechen oder kann er nicht? Ist er überhaupt noch lebendig? Und wer sagt überhaupt, dass es ein Mann ist? Am Ende ist es nur die Tochter der Diakonin, die sich einen Spaß erlaubt? Fünf Menschen treffen auf das Rätsel der verschlossenen Tür und dem dahinter verborgenen Geheimnis. Fünf Phantasien entspinnen sich, die wahrscheinlich mehr mit dem Phantasierenden zu tun haben als mit der Wahrheit, die hinter der Tür lauert.

Klaus Schumacher und das Ensemble des Jungen SchauSpielHauses sind zu Gast bei NEW HAMBURG und entwickeln vor Ort ein Stück über scheinbare Gewissheiten, Vorurteile und die Sehnsucht, die Welt zu verändern.


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