Die Schule der Frauen

von Molière
Übersetzt und bearbeitet von Sabrina Zwach
/ Repertoire

Premiere 05/04/2014

SchauSpielHaus

Dauer: Zwei Stunden, 45 Minuten, eine Pause

Ein Mann blickt durch. Monsieur Arnolphe hat für sich den Königsweg entdeckt, um dem Schicksal seiner Geschlechtsgenossen zu entgehen, die allesamt, so sein Vorurteil, von ihren Ehefrauen betrogen werden. Er hat ein verwaistes Mädchen, Agnès, zu seinem Mündel gemacht, lässt es abgeschieden von der Welt, das heißt, von der Gesellschaft, aufwachsen und verweigert ihm jede Ausbildung, um sie zu seiner gefügigen Ehefrau heranzuziehen, die keinen Verführungen Dritter ausgesetzt sein kann – weil sie die gar nicht kennt. Schule der Frauen?

Während seiner Abwesenheit hat Horace sie entdeckt, der Sohn eines Freundes von Arnolphe, und verliebt sich in sie auf den ersten Blick. Sie sich auch in ihn, aber das weiß sie noch nicht, in ihrem gesellschaftlichen Amöbenwesen. Sie ist nur höflich und zuvorkommend zu dem jungen Mann, so wie man es ihr beigebracht hat. Die Triebregungen folgen, wie sie im Buche des Lebens stehen, und drängen zur Entscheidung, mit List. Schule der Frauen!

Den zurückgekehrten Arnolphe bittet Horace um Geld – er braucht es, wie er ihm vertraulich offenbart, um ein junges Mädchen aus den Fängen ihres Cerberus zu befreien. Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen Monsieur Arnolphes, der seinen Artgenossen deren selbstverschuldetes Schicksal gönnt - mit der Gewissheit dessen, der seinen Schatz in Sicherheit wähnt. Bis er plötzlich erkennen muss, dass er das Opfer seiner eigenen Borniertheit zu werden droht, die weder die Verführungskraft der Liebe noch die Verführbarkeit von Dienern einkalkuliert. Molières meisterliche Verzwirnung des Wettlaufs der beiden entgegengesetzten Intrigen Arnolphes und Horaces macht Arnolphe ungewollt zum Regisseur, Zuschauer, Gefangenen und Opfer seines eigenen Schicksals - eine Art tragikomischer Ödipus. Die Konflikte eskalieren in gefährlicher Weise, bis es in buchstäblich letzter Minute glückt, die richtige Ehe zustande zu bringen. Die Abschaffung der Eifersucht gelingt nur durch Entsagung.

Ein gefundener Stoff für Herbert Fritsch, den theatralischen Brandbeschleuniger auf deutschen Bühnen. Er verhilft den Geschichten und den Figuren, die er inszeniert, zu hohem Tempo und gesteigerter Energieausbeute: zum Nutzen der Aufführungen und zum Vergnügen der Zuschauer!

Für seine Darstellung des Arnolphe wurde Joachim Meyerhoff 2014 mit dem Rolf Mares Preis ausgezeichnet.

Für Lehrer*innen
Hier finden Sie Unterrichtsmaterial zu dieser Inszenierung

Fotos © Thomas Aurin

Pressestimmen

Die Zeit

„Diese »Schule der Frauen« ist in gelungenster Weise beides: Slapstick und Diskurstheater, Kirmesklamauk und Dekonstruktionsshow. Was Joachim Meyerhoff in der Rolle des Arnolphe zum Besten gibt, ist allein den Abend wert, eine herkulische und zugleich leichtfüßige Leistungsschau des Komischen.“

stern.de

„Was uns der begnadete Regie-Berserker Herbert Fritsch und sein Ensemble hier liefern, ist ein Fest für Augen und Ohren. Fast drei Stunden lang zucken, tanzen, grimassieren, lachen und toben die Schauspieler in grotesk-komischen Kostümen über die Bühne. Fritsch und seine Truppe machen aus Molières ironischem Kommentar zum alltäglichen Geschlechter-Kampf eine Art Monty-Python-Revue. Jeder mögliche Kalauer wird mitgenommen. Kein Gag ausgelassen. Wortwitz, wildes Grimassieren, ein ständiges Gesten-Gewitter wie Ausdruckstanz auf Speed. Und das alles in einem irren Tempo.“

Hamburger Abendblatt

„Der Abend ist die reine Freude. So war Theater lange nicht!“

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