BACKSTAGE Festival: Irgendwo zwischen „nicht genug“!

Ich mag Brunnen. Immer wenn ich einen sehe, werfe ich einen Stein hinein. Kein Geräusch ist so beruhigend wie das eines Kieselsteins, der auf die Wasserfläche eines tiefen Brunnens trifft. Wenn der Wind singt, Haruki Murakami

Ein junger Mann sitzt an einer Weggabelung der Welt. Es regnet, die Tür steht offen, das Radio läuft, er kocht Spaghetti. Jeder hat freien Zutritt, verrückte Nachbarn, verirrte Fremde, die tote Geliebte, die Zwillinge, die in seiner Wohnung leben ohne dass er sich über irgendetwas wundert. Die doppelten Böden seines Bewusstseins befinden sich bei dem jungen Mann jenseits der Realität und der Zeit – Er hat seine Welt in einem Roman erschaffen wie eine Art Melodie, die uns an Jazz, Pop oder Klassik denken lässt. Es tauchen Menschen auf, die sich selber kaum verstehen, beiläufig begegnen sie ihm an Orten, wo sie die eigene Existenz suchen. Es gibt keine Garantie für ihr Kommen oder für ihr Bleiben.

In der melancholischen, surrealistischen Atmosphäre und dem tiefgründigen Humor dieses Stückes vom Backstage-Jugendclub des Schauspielhauses können wir uns sehr gut wiedererkennen, egal an welcher Weggabelung wir gerade sitzen. Und wer nicht an die dunkle Seite des Mondes glaubt, sollte nicht durch diese Tür treten.

Fotos: Andreas Schlieter

Es spielen: Lea Benz, Fatma Diaw, Lisa Feller, Gesa Isermann, Ella Hebendanz, Moritz Nuszpl, Lena Moszczynski, Jan Prilop, Benjamin Rink, Philipp Rieper, Junis Sander, Yannick Saxer, Lisa Türpe, Fabian Witthoff

Leitung: Michael Müller Bühne: Franz Dittrich Musik: Daniel Rothe, Tilman Jäckle, Lennard Zander
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