Richard the Kid

nach William Shakespeare

Er war eine schwere Geburt. Die Ankunft Richards III. auf der Welt ist überschattet von seinen körperlichen Missbildungen und merkwürdigen Vorzeichen. Wäre es vielleicht besser, dieses Kind wäre nie geboren? Richards Mutter, die Herzogin von York, ahnt Böses: Von Anfang an bleibt ihr dieser Sohn dunkel und fremd. Kaum kann sie Liebe zu ihm entwickeln, wie er auch sonst überall auf Ablehnung stößt. Später, im jugendlichen Alter, erweist er sich in den Rosenkriegs-Schlachten um die englische Krone als äußerst kaltblütig, brutal und erfolgreich. Ist Machtgier, Skrupellosigkeit und Zerstörungswut Ergebnis einer zerstörten Kindheit? Sind die Ursachen in sozialen und familiären Kontexten auszumachen oder gibt es schlicht keine erschöpfende Erklärung für die Existenz egomaner und boshafter Machtmenschen? Mit Richard III. betritt einer der größten Antihelden der Theaterliteratur die Bühne: schamlos, gierig, gewalttätig, schlechthin die Inkarnation des Bösen. Zugleich ist er eine Hauptattraktion des Shakespeare’schen Kosmos: hellsichtig, witzig, heuchlerisch, verführerisch. Er weiß um die Manipulierbarkeit der Menschen, ist ein großer Lügner, ein Virtuose der Instrumentalisierung anderer und der genussvollen Selbstinszenierung. Ein genialer Coup Shakespeares, der diese Rolle bis heute zu einer außerordentlichen schauspielerischen Aufgabe macht. Immer wieder neu fasziniert Shakespeare, weil er nicht erklärt, sondern vor allem Fragen aufwirft: Was macht die Attraktion dieses „Dreckskerls“ aus? Ist er ein pathologischer Sonderfall, ein gekränkter Outlaw oder womöglich die konsequenteste Ausprägung eines Systems? Wie ist die Zustimmung der vielen, das Einverständnis mit seiner Politik zu erklären?
Karin Henkel wird auf Grundlage der Shakespeare’schen Königsdramen »Heinrich VI.« und »Richard III.« den Stoff um den berühmt- berüchtigten König in zwei Teilen inszenieren. Im ersten Teil richtet sie den Fokus auf die Familiengeschichte Richards. Seit Jahren liefert sich das Haus York erbitterte und blutige Schlachten mit dem Haus Lancaster um die englische Herrschaft. Auf »Richard the Kid« folgt in der Spielzeit 2021-22 dann der zweite Teil »Richard the King« als Koproduktion mit den Salzburger Festspielen.

Motiv: Rocket&Wink

Es spielen: Lina Beckmann, Kristof Van Boven, Kate Strong, Bettina Stucky

Regie: Karin Henkel Bühne: Katrin Brack Kostüme: Klaus Bruns Musik: Arvild J. Baud Licht: Rainer Casper Dramaturgie: Sybille Meier
Empfehlungen