Christoph Bals

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Christoph Bals

Christoph Bals, geboren 1960, hat Theologie, Volkswirtschaft und Philosophie in München, Erfurt und Bamberg studiert. Er war 1991 Gründungsmitglied der Umwelt- und Entwicklungsorganisation »Germanwatch«. Seit 1992 arbeitet er in verschiedenen Rollen dort, seit 2006 als Politischer Geschäftsführer. Bals hat eine ganze Reihe von wirkungsvollen Initiativen für den Klimaschutz und Nord-Süd-Gerechtigkeit mitinitiiert. Mit auf den Weg gebracht hat er etwa die Klimaallianz, das breiteste Bündnis - von Umwelt- und Entwicklungsorganisationen, Bürgerinitiativen, Kirchen, Gewerkschaften und Sozialverbänden in Deutschland für eine ambitionierte Klimapolitik; die Stiftung »Zukunftsfähigkeit«, die z. B. mit wichtigen Klimaverhandlern während der Verhandlungsrunden Hintergrundgespräche organisiert; die »Munich Climate Insurance Initiative« (MCII), wo sich Wissenschaftler, Versicherer und NGOs gemeinsam dafür einsetzen, dass die Industrieländer vom Klimawandel besonders betroffenen Menschen und Länder gegenüber Wetterkatastrophen durch Versicherungen absichern; die »Renewables Grid Initiative«, wo sich eine Reihe von Umweltverbänden und Stromnetzbetreibern gemeinsam dafür stark machen, dass das Stromnetz möglichst naturverträglich so umgebaut wird, dass eine Vollversorgung mit ökologischem Strom möglich wird; »atmosfair«, wo die Emissionen von Flugreisen nach harten Kriterien ausgeglichen werden können. Bals hat seit COP1 (1995, Berlin) an allen UN-Klimagipfeln als aktiver Beobachter teilgenommen und zahlreiche lokale Energie- und Klimaschutzinitiativen in Deutschland unterstützt sowie eine Vielzahl von Veröffentlichungen v.a. zu klimapolitischen Fragen publiziert.



>> Wann und wie kamen Sie das erste Mal mit dem Thema Klimaänderungen in Berührung?

In ernsthafter Form im Jahr 1987. Ich ging damals im Zusammenhang mit meiner Berufsfindung der Frage nach: Was sind die großen Herausforderungen für die kommenden Jahrzehnte, die jetzt gesellschaftlich noch links liegen gelassen werden. Toni Hirschauer, ein Freund in München, und Prof. Heinloth, damals Physikprofessor in Bonn, schlugen den globalen Klimawandel als einen im wahrsten Sinne des Wortes „heißen Kandidaten“ bei dieser Suche vor.


>> Wenn Sie für einen Moment absolute Vollmacht und Handlungsfreiheit hätten, was würden Sie tun / verlangen, hinsichtlich der sich abzeichnenden Klimaveränderung?

Auf der Stelle würde ich diese quasi-göttliche Vollmacht wieder zurückgeben, da ich es schrecklich fände, wenn ein Mensch solche Machtfülle hätte. Nicht Allmachtsfantasien helfen uns weiter. Wir brauchen eine Politik, die den Ausstieg aus der Kohleverstromung, aus Teersand und dann den anderen fossilen Energieträgern durchsetzt, wir brauchen neue Geschäftsmodelle, die nicht darauf beruhen, dass wir unsere Zukunft verheizen, und wir brauchen BürgerInnen, die Politik und Wirtschaft Beine machen.


>> Wie sieht die Welt in 50 Jahren aus?

Die Investitionsentscheidungen weltweit der nächsten 15 Jahre entscheiden darüber: Zementieren wir uns durch ein „weiter so“ eines rohstoffverschleudernden Energie-, Verkehrs- und Landwirtschaftssystems in Sackgassen ein, bis wir gegen die Wand rennen? Oder nutzen wir unser Großhirn, und lassen alsbald einer überzeugend umgesetzten Energie- auch eine Verkehrs- und Landwirtschaftswende folgen. Es ist faszinierend zu sehen, wie viele Menschen – von China bis Hamburg – den Weg zu Ökostrom einschlagen, nach Konzepten einer solidarischen Landwirtschaft suchen, auf öffentlichen Verkehr und Carsharing statt eines eigenen Autos setzen und wenn sie schon fliegen müssen, mit »atmosfair« die Emissionen ausgleichen. Falls hier aber keine neuen Mehrheiten entstehen, wird in 50 Jahren längst die Aufarbeitung in Gange sein, welche Politiker und Wirtschaftsbosse sich vor dem Menschengerichtshof dafür verantworten müssen, dass sie wider besseres Wissen die Sackgassen für uns zementiert haben …

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