Dr. Juliane Otto

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Dr. Juliane Otto

Juliane Otto ist Geografin, im Herzen Seefahrerin, und Klimaexpertin. Geboren im Norden, aus Kinderaugen am Meer, doch nach wissenschaftlicher Definition nur am Bodden. Nach der Schule bestieg sie nach Stationen in London und im Harz ein Kreuzfahrtschiff und schipperte als Programmassistentin von Kiel entlang der Küste Nord- und Südamerikas über die Südsee bis nach Sydney. Nach dem Durchfahren fast aller Klimazonen und mit dem Drang mehr über das Klima zu erfahren, ging es wieder an Land in die Hauptstadt. In Berlin studierte sie an der Humboldt-Universität Geografie mit dem Schwerpunkt Klimatologie. Mit noch nicht gestilltem Wissensdrang und dem Wunsch, der Küste näher zu kommen, führten Julianes Wege in eine der Klimahochburgen Deutschlands: nach Hamburg ans Max-Planck-Institut für Meteorologie. Als fertige Doktorin ging es nach Paris ans Laboratoire des Sciences du Climat et de l‘Environnement. Hier sorgte Juliane mit ihrer Arbeitsgruppe dafür, dass im Klimamodell der Wald nicht nur als grüne Masse dargestellt ist, sondern als einzelne Bäume, die auch gefällt werden können. Wieder in Hamburg ist Juliane am Climate Service Center 2.0 für ein europäisches Projekt beschäftigt, das eine Internetplattform für Klimadaten aufbaut. Eine ihrer Aufgaben ist es, wie man die Genauigkeit wissenschaftlicher Ergebnisse formulieren und visualisieren kann.

Dr. Juliane Otto wirkt am Deutschen SchauSpielHaus Hamburg in der Spielzeit 2014-15 als Expertin bei der »Welt-Klimakonferenz« von Rimini Protokoll mit.



>> Wann und wie kamen Sie das erste Mal mit dem Thema Klimaänderungen in Berührung?

Der Klimawandel war irgendwie schon immer da. Beim Studium gab’s dann das erste Mal die Erläuterung der Zusammenhänge und was dahinter steckt.


>> Wenn Sie für einen Moment absolute Vollmacht und Handlungsfreiheit hätten, was würden Sie tun / verlangen, hinsichtlich der sich abzeichnenden Klimaveränderung?

Wenn ich die absolute Vollmacht hätte, würde ich alle Länder der Erde an einen Tisch holen und sie erst wieder gehen lassen, wenn sie ein faires und klimafreundliches Abkommen ausgehandelt und ratifiziert haben. So ähnlich wie bei der Papstwahl.


>> Wie sieht Europa in 50 Jahren aus?

Der Klimawandel wird nicht mehr eine leere Phrase, sondern in allen Lebensbereichen spürbar sein. Zunehmende Dürre und Wasserknappheit in den Gebieten ums Mittelmeer werden die Flüchtlingsbewegungen gen Norden verstärken. Die westliche Welt reagiert mit Abschottung und zieht Mauern an ihren Grenzen auf. Die EU streitet darüber, ob die verschärfte Klimasituation als Asylgrund anerkannt wird. Für Flüchtlinge wird es damit noch schwerer, in Europa Asyl zu finden. Großeltern werden sich gegenüber ihren Enkeln rechtfertigen müssen, ob und was sie schon damals gegen den Klimawandel hätten unternommen können.

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