Dr. Schirin Fathi

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Dr. Schirin Fathi

Schirin Fathi ist im Iran geboren und aufgewachsen. Ihr Abitur erhielt sie an der Deutschen Schule Teheran zeitgleich mit dem Ausbruch der islamischen Revolution, die somit einen klaren Bruch in ihrer Biographie markiert. Nach dem Studium der Nahostwissenschaft und Entwicklungsökonomie (B.A. und M.A.) in Washington, D.C. arbeitete sie vier Jahre lang in der Weltbank in Washington an energierelevanten Projekten. 1989 begann sie ein Promotionsstudium im Fach Islamwissenschaft an der Universität Hamburg und verbrachte die folgenden drei Jahre – mit kurzen Unterbre-chungen aufgrund des ersten Golfkriegs – in Jordanien. Dort verfestigte sie ihre Arabischkenntnisse und forschte zur nationalen Identität in Jordanien. 1993 erfolgte die Promotion mit Auszeichnung und der Publikation ihrer Dissertation im April 1994 unter dem Titel: »Jordan - An Invented Nation?« Es folgten Beratertätigkeiten u. a. bei der Deutschen Stiftung für internationale Entwicklung (Bonn), dem Georg-Eckert Institut (Braunschweig) und freiberufliche Mitarbeit bei Troeller Film (Hamburg) in der Dokumentarfilmreihe »Kinder der Welt«. Aus privaten Gründen verbrachte sie in den folgenden Jahren auch immer wieder Zeit im Iran, allerdings hat sie das Land nun seit über 20 Jahren nicht mehr bereist. Nach einer Elternzeit trat sie 1999 ihre Stelle als wissenschaftliche Assistentin am Arbeitsbereich Islamwissenschaft des Asien-Afrika-Instituts der Universität Hamburg an und verbrachte dort die nächsten elf Jahre in unterschiedlichen Positionen, zuletzt als Vertretungsprofessorin. Ihre Schwerpunkte sind Nationalismus und nationale Identität, der arabisch-israelische Konflikt, die Kompatibilität von Demokratie und Islam und die Rezeption des Holocausts in der arabischen Welt, aber auch Verschwörungsdenken im Nahen Osten. Diese Schwerpunkte finden sich auch in ihren Publikationen wieder. Seit 2010 arbeitet Schirin Fathi wieder freiberuflich.



>> Wann und wie kamen Sie das erste Mal mit dem Thema Klimaänderungen in Berührung?

Ein, zwei Jahre nach dem Tsunami 2004 machten wir Urlaub auf den Malediven und dort wurde uns von den Auswirkungen des Tsunamis auf den Inseln erzählt, nämlich dass das Wasser einfach stieg und alles bedeckte und dann wieder zurück ging. Die Vorstellung, dass durch einen Meeresspiegelanstieg das Wasser diese Inseln bedeckt, aber nicht wieder zurück geht, wurde dadurch noch plastischer und auch erschreckender.


>> Wenn Sie für einen Moment absolute Vollmacht und Handlungsfreiheit hätten, was würden Sie tun / verlangen, hinsichtlich der sich abzeichnenden Klimaveränderung?

Abgesehen von den hinlänglich bekannten Forderungen nach Reduzierung der CO2-Emissionen, würde ich weiter in die breitgefächerte Aufklärung investieren. Gerade in den Ländern des Nahen Ostens – und ich denke, das gilt für viele Entwicklungsländer – gibt es noch nicht genügend Bewusstsein für Umweltpolitik und Klimawandel.


>> Wie sieht Europa in 50 Jahren aus?

In Europa haben sich kleine, diktatorisch regierte Fürstentümer auf den Bergmassiven gebildet, die gegen eine hohe Steuerabgabe vermögende Bevölkerungsgruppen aufnehmen und sich vehement gegen die restliche – langsam versinkende – Bevölkerung abschotten. Aber auch dort macht sich zunehmend die drohende Versorgungslage bemerkbar, so dass Geld alleine als Entscheidungskriterium nicht mehr ausreicht und Darwin’sche Überlebenstaktiken überhand nehmen. .... Diesem Schreckensszenario steht der Wunsch gegenüber, dass sich nicht wirklich viel verändern wird, da die jetzt eingeleiteten Maßnahmen ihre Wirkung zeigen!

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