FAQ-Room: „frequently asked questions“

Seit nun schon vier Spielzeiten gehen wir den „frequently asked questions“ unserer Zeit nach. Zu Gast waren Alexander Kluge, Jenny Erpenbeck, Carolin Emcke, Slavoj Žižek, Peggy Parnass und viele andere. In der letzten Spielzeit diskutierte unter anderem Falk Richter über »Politisches Theater« und »Thomas Ebermann beleidigte Helmut Schmidt«. Wir riefen die Europäische Republik im Zuge des »European Balcony Projects« aus und hatten die »Bühne für Menschenrechte« mit »Die NSU-Monologe« zu Gast.

2019-20 setzen wir die Reihe fort und stellen uns mit interessanten Gästen den aktuellen Diskursen.

FAQ-Room 32: One person can make a difference

Ein Abend mit der Shoa-Überlebenden Irene Butter

 

Es gibt nicht mehr viele Menschen, die vom Holocaust erzählen können. Irene Butter ist eine von ihnen. Über das Leben im Konzentrationslager und die Flucht zu sprechen, hat sie stark gemacht. Nun kommt sie zum 75. Jahrestag der Befreiung von Bergen-Belsen vermutlich zum letzten Mal nach Deutschland. Die Journalist*innen Constantin Schreiber und Caroline Schmidt werden sich mit ihr an diesem Abend auf eine persönliche und politische Reise begeben. Dazu lesen Ensemblemitglieder des SchauSpielHauses ausgewählte Passagen aus Butters Buch »Shores beyond Shores. From Holocaust to Hope«. Ausschnitte aus der NDR-/Arte-Dokumentation »Hitlers Menschenhändler« werden Teile ihrer Geschichte zeigen.

Irene Butter wurde 1930 als Irene Hasenberg in Berlin-Wilmersdorf geboren. Als die Eltern den Antisemitismus in Berlin nicht mehr ertragen konnten, flohen sie 1937 nach Amsterdam. Im Mai 1940 überfiel Hitler die Niederlande. Im Juni 1943 wurden die Hasenbergs festgenommen und ins Durchgangslager Westerbork transportiert. Die meisten Insassen kamen von dort direkt nach Auschwitz. Die Hasenbergs hatten Glück. So dachten sie zumindest zunächst. Sie wurden im Februar 1944 in ein vermeintlich besseres Lager gebracht: nach Bergen-Belsen. Dort erwartete sie die Hölle. Nur durch einen Trick konnten die Hasenbergs 1944 in die Schweiz fliehen.

Doch der Vater starb noch in Deutschland im Zug. Auch die todkranke Mutter und der Bruder konnten nicht weiterreisen, blieben in der Schweiz zurück. Und so ging Irene mit 14 Jahren alleine nach Amerika. Dort wohnte sie in New York bei entfernten Verwandten, besuchte die High-School, dann die Universität, wurde Wirtschaftsprofessorin in Ann Arbor (Michigan), heiratete und bekam zwei Kinder. Sie redete in diesen Jahren nie über ihre Zeit in Deutschland. Bis zu diesem Tag im Sommer 1973, als ihre damals 12jährige Tochter Ella aus der Schule nach Hause kam und berichtete, sie habe Irene dort für den nächsten Tag als Zeitzeugin im Geschichtsunterricht angekündigt.

Seitdem hält sie Vorträge in Schulen und Universitäten und engagiert sich für ein friedliches Miteinander. Sie hat den muslimisch-jüdischen Gesprächskreis »Zeitouna« ins Leben gerufen und verleiht seit 1990 als Mitglied der Jury die Raoul-Wallenberg-Gedenkmedaille an Personen wie etwa den Dalai Lama, die „mit großem Mut und großer Selbstlosigkeit erfolgreich für eine eigentlich verlorene Sache“ kämpften.

„Wir können nicht nur das Böse besiegen“, findet Irene Butter bis heute, „wir müssen es sogar.“ Damit das Leiden nicht sinnlos war. Damit all die Menschen nicht sinnlos gestorben sind.

Im vergangenen Jahr hat Irene Butter ein Buch über ihre Kindheit und Jugend geschrieben. Mit »Shores beyond shores. From Holocaust to Hope.« tourt sie nun mit fast 90 Jahren – immer noch ganz Charisma und Kraft – durch Amerika. Heute in Zeiten von Trump findet sie ihre Botschaft wichtiger denn je.

Am 17/4/2020 im SchauSpielHaus

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FAQ-Room 31: Peggy Parnass

Grenzen akzeptier' ich nicht

 

Mit Peggy Parnass, Ruth Marie Kröger und Michael Weber

Peggy Parnass: vielfach ausgezeichnete Autorin, Schauspielerin, legendäre Gerichtsreporterin, Jüdin, Antifaschistin, Hamburgerin, Chronistin der Bundesrepublik und glamouröse Ikone des Feminismus und der Schwulenbewegung. „Peggy Parnass hat Wut im Bauch. Im Herzen. In der Seele – und genauso schreibt sie – leidenschaftlich, rücksichtslos und zugleich mitfühlend.“ (Klaus Bednarz)

Ruth Marie Kröger und Michael Weber lesen aus ihren Texten und Reportagen, unterhalten sich mit ihr und präsentieren Ausschnitte aus dem Film »Peggy Parnass – Überstunden an Leben«.

Am 28/2/2020 um 19.00 Uhr im MalerSaal

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FAQ-Room 30: Slavoj Žižek

Der Aufstieg obszöner Meister

 

Traditionell (oder zumindest in unserer rückwirkenden Sicht der Tradition) wirkte die schamlose Obszönität als subversiv, als Untergrabung der traditionellen Herrschaft, als Entzug der falschen Würde des Meisters. In den 1960er Jahren benutzen protestierende Schüler*innen gerne obszöne Worte oder machen obszöne Gesten, um die Machtfigur in Verlegenheit zu bringen und, so behaupteten sie, ihre Heuchelei anzuprangern. Was wir jedoch heute mit der explodierenden öffentlichen Obszönität erhalten, ist nicht das Verschwinden von Autorität, von Meisterfiguren, sondern ihr kraftvolles Wiederauftauchen – wir bekommen vor Jahrzehnten etwas Unvorstellbares, obszöne Meister. Wie kann das passieren?

Am 24/3/2020 um 20 Uhr im SchauSpielHaus

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FAQ-Room 29: Warum Rojava?

Autonomie und Demokratie im syrischen Bürgerkrieg

 

Seit November 2013 hat die kurdische Bevölkerung im Norden Syriens (kurdisch: Rojava) ein Gesellschaftsmodell etabliert, das es sich inmitten des syrischen Bürgerkrieges zur Aufgabe gemacht hat, den Nationalstaat hinter sich zu lassen und an dessen Stelle ein konsens-basiertes Regierungssystem zu setzen, das auf Basisdemokratie, ökologischem Wirtschaften und Geschlechtergerechtigkeit aufbaut. Gegenwärtig ist dieses Modell existentiell in Frage gestellt.
Donald Trump zog im September 2019 die US-amerikanischen Truppen aus der Region ab – in vollem Bewusstsein darüber, was die Bevölkerung erwarten würde. Nur zwei Tage später startete die Türkei einen Angriffskrieg gegen die Gebiete. Aber wie funktioniert das Gesellschaftsmodell Rojava in der Praxis? Kann es in einer vom Neoliberalismus ausgezehrten Welt, die den fatalen Regierungsformen aus Korruption, Religion und Gewalt mehr oder weniger schutzlos ausgeliefert ist, ein Modell für die notwendigen zukünftigen Gesellschaften sein? Wird es sich zwischen den Angriffen der türkischen Armee und der Konsolidierung des syrischen Regimes behaupten können? Und was sind die europäischen und deutschen Interessen in dieser Region?

Nach einer filmischen Einführung in die Thematik diskutieren: Ilham Ahmed (Co-Vorsitzende des Demokratischen Rats Syriens (SDC) aus der demokratischen Föderation Nordsyrien), Thomas Seibert (politischer Philosoph und Menschenrechtsreferent von medico international), Margarita Tsomou (Professorin für zeitgenössische Theaterpraxis an der Hochschule Osnabrück, Kuratorin Hebbel am Ufer, Gründerin Missy Magazine).


Am 27/2/2020 um 20 Uhr im SchauSpielHaus

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FAQ-Room 28: Bald Schwein, bald Schmetterling

Über Kunst, Macht und Moral
Benjamin Korn im Gespräch mit Michael Weber

 

Benjamin Korn, geboren 1946 in Lublin, lebt in Paris und Rom. Seine Arbeiten als Theaterregisseur in Hamburg, Frankfurt, München und Bochum wurden mehrfach zum Theatertreffen eingeladen. Seine großen Essays in der ZEIT und in LETTRE zu Themen wie der Fassbinder-Affäre, der 68er Bewegung, den Jugendunruhen in den Pariser Vorstädten, zu Rassismus und Antisemitismus kreisen immer auch um die Frage nach einer moralischen Haltung in der Kunst, besonders in der Literatur und auf dem Theater, um die Wechselwirkung von Talent und Charakter.
Michael Weber wird aus diesen Texten lesen und sich mit Benjamin Korn unterhalten.

Am 25/1/2020 um 19.30 Uhr im MalerSaal

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FAQ-Room 25: Ebermann beleidigt Schmidt

mit Thomas Ebermann und Michael Weber

 

Thomas Ebermann (Industriearbeiter, Buchautor, kommunistischer Bündler, Soldat ohne Funktion, Wehrkraftzersetzer, Fraktionsvorsitzender in Bürgerschaft und Bundestag, Gesetzesbrecher, Jungwählerinnenmagnet, Helmut-Schmidt-Beleidiger, linker Theoretiker, Theatermacher, überführter Verfassungsfeind, Satiriker, Systemkritiker, „letzter Querulant“ (Der Tagesspiegel), sesshafter Heimatverächter und Redakteur für Trabrennsport) und Michael Weber (Schauspieler) lesen Texte vor und unterhalten sich über politisch bessere Zeiten, schlechtere Zeiten – und heute.

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FAQ-Room im Repertoire:

FAQ-Room 6: Unterwerfung

von Michel Houellebecq
In der Übersetzung von Norma Cassau und Bernd Wilczek
in einer Fassung von Karin Beier und Rita Thiele
Regie: Karin Beier
Ein Monolog mit Edgar Selge

Aktuelle Spieltermine

FAQ-Room 2018/19

 

1/11/2018 im SchauSpielHaus
FAQ-Room 23
Making of / Politisches Theater
Elfriede Jelinek »Am Königsweg«
Falk Richter »Fear«, »Safe Places« und »Disconnected«
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8/11/2018 im MalerSaal
FAQ-Room 24
European Balcony Project 
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31/1/2019 im SchauSpielHaus
FAQ-Room 26:
Die NSU-Monologe
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13/6/2019 im RangFoyer
FAQ-Room 27:
Hiroshima MonsterGirl
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FAQ-Room 2017/18

 

11/4/2018 im SchauSpielHaus
FAQ-Room 22:
Wolli Indienfahrer: Hubert Fichtes legendäre Puff-Interviews
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14/2/2018 im SchauSpielHaus
FAQ-Room 21:
Reise in den Herbst
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17/10/2017 im SchauSpielHaus
FAQ-Room 20:
Slavoj Žižek: The Courage of Hopelessness
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FAQ-Room 2016/17

 

Mittwoch, 19/10 um 20 Uhr im SchauSpielHaus
FAQ-Room 12:
Reinhard Merkel – Der Westen ist schuldig
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Mittwoch, 2/11 um 20 Uhr im SchauSpielHaus
FAQ-Room 13:
Carolin Emcke – Gegen den Hass
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Donnerstag, 15/12 um 20 Uhr im SchauSpielHaus
FAQ-Room 14:
Peter Sloterdijk: Das Schelling Projekt
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Donnerstag, 12/1 um 20 Uhr im SchauSpielHaus
FAQ-Room 15:
Welt-Klimakonferenz – was passiert danach?
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Samstag, 14/1 um 20 Uhr im SchauSpielHaus
FAQ-Room 16:
The Who and the What
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Montag, 13/2 um 20 Uhr im RangFoyer
FAQ-Room 17:
Heinz Bude: Angst, Hass, Hoffnung
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Donnerstag, 23/3 um 20 Uhr im RangFoyer
FAQ-Room 18:
Peggy Parnass – Ich hab so viele Fragen!
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Mittwoch, 28/6 um 20:30 Uhr im SchauSpielHaus
FAQ-Room 19:
Jean Ziegler – Der schmale Grat der Hoffnung
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FAQ-Room 2015/16

 

Montag, 26/10, 20 Uhr im SchauSpielHaus
FAQ-Room 1:
Pier Paolo Pasolini – »Salò oder Die 120 Tage von Sodom«
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Donnerstag, 19/11 um 20 Uhr im SchauSpielHaus
FAQ-Room 2:
Slavoj Žižek – »Über Mandela hinaus ohne Mugabe zu werden«
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Dienstag, 12/1 um 20 Uhr
FAQ-Room 3:
Welches Land wollen wir sein?
Mit: Friedrich von Borries, Sieghard Wilm, Bettina Stucky / Moderation: Christian Rabhansl
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Samstag, 16/1 um 20 Uhr, Deutschsprachige Erstaufführung
FAQ-Room 4:
»Geächtet«
von Ayad Akhtar
Regie: Klaus Schumacher
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Freitag, 22/1 um 20 Uhr
FAQ-Room 5:
Hannelore Hoger & Alexander Kluge – »Unverwüstlichkeit des Politischen«
Lesung mit Filmen
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Samstag, 6/2 um 20 Uhr, Uraufführung
FAQ-Room 6:
»Unterwerfung«
von Michel Houellebecq
Regie: Karin Beier
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Mittwoch, 24/2 um 20 Uhr
FAQ-Room 7:
Jenny Erpenbeck – »Gehen, ging, gegangen«
Jenny Erpenbeck liest aus ihrem Roman
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Donnerstag, 7/4 um 20 Uhr
FAQ-Room 8
»Terror«
von Ferdinand von Schirach
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Freitag, 15/4 um 20 Uhr
FAQ-Room 9
Olaf Scholz – »Flucht nach Deutschland. Konsequenzen einer neuen Realität«
Vortrag und Diskussion
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Der Erlös wird an »Hanseatic Help e. V.« gespendet.

 

Mittwoch, 27/4 um 20 Uhr
FAQ-Room 10
»Refugees Welcome – Konzepte für eine menschenwürdige Architektur«
Mit: Amelie Deuflhard, Jörg Friedrich, Hendrikje Blandow-Schlegel u.a.
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Der Erlös wird an »Hanseatic Help e. V.« gespendet.

 

Freitag, 24/6 um 20 Uhr
FAQ-Room 11
Charly Hübner liest »Macht«
von Karen Duve

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