Monte Mortale

NEW HAMBURG

Uraufführung 28/05/2021

Veddel

Termine

28/
05/Fr Veddel / Uraufführung

Im Süden Hamburgs, nahe der Elbinsel Veddel, schläft ein »Drache«. Der »Drache« ist zwar ein Berg, ein Müllberg, genauer gesagt, der Spitzname, den der Volksmund dem Monstrum gab, passt allerdings sehr gut. Denn dieser Berg war eine so große Bedrohung für Hamburg, dass die Presse in den 1980er Jahren vom „gefährlichsten Berg der Welt“ sprach, was ihm einen zweiten Spitznamen einbrachte: »Monte Mortale«. Heute befindet sich am Fuße des mittlerweile begrünten und versiegelten Hügels ein Dokumentationszentrum und ein Rundweg verspricht „ungewohnte Blickwinkel auf die Skyline von Hamburg“. Unter dem Rundgang lagert noch immer der Giftmüll, zum Beispiel das schon in geringsten Dosen tödliche Seveso-Dioxin, ein Abfallprodukt der Chlorchemie, Ende der 1960er, Anfang der 1970er ganz legal dort eingelagert. Anfang der 1980er Jahre dann der Schock: die hochgiftigen Dioxine sickerten seit Jahren ins Grundwasser. Der Skandal war perfekt und die Politik reagierte: Sie schaffte den Müll außer Sichtweite, das hieß damals: DDR, genauer, nach Mecklenburg-Vorpommern. An dieser Lösung im Umgang mit Abfallprodukten des westlichen Lebensstandards hat sich wenig verändert. „Außer Sichtweite“ bedeuten heute allerdings Afrika und Südostasien, oder, wenn sie sich weigern und der Preis zu hoch wird, die Ozeane.

Florian Fischer ist multidisziplinärer Theaterregisseur, Ausstellungskurator und Bühnenautor und bekam 2019 den Kurt-Hübner-Preis, eine der wichtigsten Auszeichnungen für Nachwuchsregie, verliehen. Er wird, ausgehend vom Hamburger Giftmüllskandal um den »Monte Mortale« und gemeinsam mit Schauspieler*innen und Bewohner*innen der Veddel, in diesem Rechercheprojekt einer der skandalösesten Praktiken der Globalisierung nachspüren. Florian Fischer arbeitet zum ersten Mal im SchauSpielHaus.

Sehen Sie hier das Vorstellungsvideo mit dem Regisseur.

Motiv: Rocket & Wink



Regie: Florian Fischer Dramaturgie: Bastian Lomsché
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